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29. Mai 2012

Elbvertiefung Zwischen Theorie und Praxis

Im Herbst sollen die Arbeiter von einer der aktuell größten Wasserbaustellen Europas abgezogen werden: Am Altenbrucher Bogen - zwischen Otterndorf und Altenruch - erfolgt der Buhnenbau, um die Strömung am Ufer zu reduzieren. Dass diese Maßnahme sinnvoll ist, war gestern bei der Info-Veranstaltung zur Elbvertiefung unstrittig. Für andere Fragen galt dies jedoch nicht. Fotos: Schröder
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KREIS CUXHAVEN. Was passiert, wenn zwischen Planung und Praxis am Ende doch Welten liegen? Wenn die Natur nicht so reagiert, wie es die Planer gerne hätten und darstellen? Wenn Probleme auftreten, die in keinem Diagramm, in keiner Berechnung, in keiner Simulation aufgetaucht sind? Gestern wurde im Cuxhavener Kreishaus über die Folgen der Elbvertiefung diskutiert – einen gemeinsamen Nenner fanden Planer und Kritiker nicht.

Seit Freitag und noch bis zum 7. Juni liegen in den Rathäusern die Unterlagen zum Planfeststellungsbeschluss aus. Wer sich nicht durch die rund 2500 Seiten ackern kann oder möchte, hatte gestern die Gelegenheit, sich bei einer öffentlichen Info-Veranstaltung des Landkreises Cuxhaven von den Planern über die Eckpunkte informieren zu lassen – und Fragen zu stellen. Ein Angebot, von dem aber nur wenig Gebrauch gemacht wurde.

Dabei bot die Diskussion gestern jede Menge Zündstoff, denn der Glaube an die Unfehlbarkeit der beauftragten Gutachter hielt sich bei Verbandsvertretern wie Klaus Schroh (BUND-Kreisgruppe Cuxhaven) in Grenzen. Er bezweifelte unter anderem die Aussage der Bundesanstalt für Wasserbau, nach der die „Maßnahme hochwasserneutral sein wird“. Wenn jetzt von möglichen Wasserstandserhöhungen im Zentimeterbereich gesprochen werde, habe dies nichts mit den Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte zu tun. Für den Präsidenten der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Nord (WSD Nord), Dr. Hans-Heinrich Witte, gibt es jedoch keinen Grund, an den Aussagen der Gutachter zu zweifeln. Es werde durch die Elbvertiefung sogar gelingen, den Tidehub zu reduzieren: „Wir gehen von der Korrektheit der Gutachten aus.“

Schultheiß Günter Hahl (Hadelner Deich- und Uferbauverband) blieb skeptisch. Er warnte davor, dass möglicherweise durch die Vertiefung unkalkulierbare Risiken für die Trinkwasserversorgung im Hadler Bereich entstehen. Bei dem Eingriff sei absehbar, dass „es einen Anstich neuer Bodenschichten“ geben werde: „Man wird hier sehr genau beobachten, wann in Wanna Salzwasser gepumpt wird.“ Und wenn dieser Fall tatsächlich eintritt? Auch dann – so Witte und Böschen – springe der Vorhabenträger ein. Sei ein Zusammenhang mit der Fahrrinnenanpassung nachzuweisen, könne man auch 30 Jahre später Ansprüche geltend machen.

 Für den Kreistagspolitiker Peter Altenburg (Freie Wähler) hielt sich der Erkenntnisgewinn bei der Info-Veranstaltung in Grenzen. Dass es keine größere Resonanz gegeben habe, wundere ihn nicht: „Viele sind zu Hause geblieben und bereiten die Klage gegen die Elbvertiefung vor.“ Und die müssen sich beeilen: Klagen können nur noch bis zum 9. Juli beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig eingereicht werden.

Von Egbert Schröder

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