WINGST. Seit 2006 gibt es die „Formula Student“ – einen internationalen Konstruktionswettbewerb für Studenten, die einen Rennwagen selbstständig konstruieren, um ihn anschließend auf Rennstrecken am Hockenheimring, im österreichischen Spielberg, in Barcelona oder im ungarischen Györ in Konkurrenz mit 78 weiteren Hochschulen weltweit auf die Reise zu schicken.
Mit dabei im Team des „Karlsruhe Institut of Technology“ (KIT) ist auch Henning Schütz aus der Wingst. Der 24-Jährige studiert an der Elite-Universität in Karlsruhe im zehnten Semester Maschinenbau. Er ist im 15-köpfigen Team von „KA-Racing“ für die Antriebswellen zuständig.
„Mir macht die Arbeit hier unheimlich Spaß. Man hat Praxisbezug und kann eigene Ideen verwirklichen. Es ist toll, in so einem großen Team gemeinsam etwas zu realisieren und auszutüfteln“, erklärt Henning Schütz gut gelaunt, während er an dem futuristisch aussehenden Vehikel schraubt. Unterstützt wird das Projekt von international bekannten Firmen und Sponsoren. Einen sechsstelligen Betrag benötigen die KIT-Studenten, um ihren Boliden von Grund auf zu konstruieren und auf internationalen Rennstrecken laufen zu lassen.
In verschiedenen Disziplinen werden die „Formel I-Rennwagen“ der Studenten-Klasse anschließend bewertet. Auch Design, Kostenplanung, Ausdauer, Beschleunigung, Innovation oder Effizienz kommen in die Endwertung. Auch Fahrzeuge von morgen wie E-Mobile werden von den Ingenieuren in spe aus Karlsruhe entworfen. Für Henning Schütz ist das Projekt ein großer Spaß, auch wenn man am Ende natürlich im Wettbewerb mit seinem Vehikel ebenfalls gut abschneiden will. Schließlich kamen die Konstrukteure des KIT in den vergangenen Jahren jeweils unter die Top 10 – und an diesen Ergebnissen will man sich messen lassen.
„Man steckt da enorm viel Energie rein. Die Arbeitsstunden kann man eigentlich gar nicht mehr zählen. Aber es macht halt Laune, sonst würde man neben dem Studium gar nicht so viel Zeit investieren, schließlich ist das ja alles ehrenamtlich. Aber es ist toll mit anderen etwas gemeinsam auf die Beine zu stellen“, betont der groß gewachsene junge Mann aus dem Cuxland.
Für den 24-Jährigen war früh klar, dass er am KIT studieren wollte. „Mich hat es schon früh Richtung Süddeutschland gezogen. Ein Teil der Verwandtschaft war auch schon da, das war von Vorteil. Zudem hat das KIT als Elite-Uni international einen sehr guten Ruf. Im Nachhinein war das ein guter Schritt. Ich mag das gute Wetter und die Stadt. Karlsruhe ist zwar eine Großstadt, aber sehr übersichtlich, und der Campus ist auch super. Für Studenten eigentlich optimal.“
Sein Abitur hat der junge Mann im Gymnasium Warstade in Hemmoor gebastelt. Kontakt in die norddeutsche Heimat gibt es nach wie vor, auch wenn satte 700 Kilometer zwischen Geburts- und Studienort liegen. Nach dem Studium – der Abschluss liegt in nicht mehr in allzu weiter Ferne – möchte er entweder in die Automobil-Industrie oder in die Luft- und Raumfahrt-Technik. Aber jetzt steht erst einmal der erfolgreiche Start in die Formula Student-Saison für die Tüftler des KIT an. Ende Juli ist Kick-off auf der Rennstrecke im österreichischen Spielberg, ehe das Heimspiel Anfang August auf dem Hockenheimring folgt, anschließend geht es auf den Circuit de Catalunya in Montmelo/Barcelona. Und wenn möglich, will der Ingenieur in spe aus der Wingst auch vor Ort sein, um bei der Wartung oder dem Boxen-Stopp nachjustieren zu können. Und natürlich auch, um Spaß zu haben.