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23. Oktober 2012

Grausame Gewalt Die Angst vor dem Pferderipper

LAMSTEDT. Die Pferdebesitzer in der Region sind alarmiert. Offenbar in einer Nacht gab es in Lamstedt und Oldendorf grausame Angriffe auf Stuten. Ein weibliches Tier wurde in Oldendorf in der Nacht zum vorigen Dienstag in einem Stall verletzt. Es überlebte die Attacke trotz tierärztlicher Hilfe nicht .

Der zweite Angriff in Lamstedt, nur 18 Kilometer entfernt, betraf zwei Stuten auf einer Weide. Einen dritten Fall gab es in Großenwörden Ende August. Dort war das Opfer ein Fohlen. Auch dieses Pferd überlebte den Angriff nicht. Alle Tiere wurden im Genitalbereich verletzt. Die Polizei beobachtet die Angriffe mit Sorge. „Das ist alles noch spekulativ, aber natürlich könnte es sich dabei um den oder die gleichen Täter handeln“, sagt Polizeisprecher Rainer Bohmbach.

Oldendorf und Lamstedt liegen 18 Kilometer auseinander. Mit dem Auto könnte die Entfernung in 20 Minuten zurückgelegt werden. „Es war alles voller Blut“, sagt die Besitzerin des in Oldendorf angegriffenen Pferdes. Die 21 Jahre alte Hannoveraner Zuchtstute stand gemeinsam mit einer zweiten Stute, die unverletzt geblieben ist, in einem Stall in unmittelbarer Nähe zum Wohnhaus. Die Besitzerin kann nicht verstehen, wieso sie in der Nacht nichts gehört hat. Der Stall war nicht verschlossen, das Grundstück liegt so, dass der oder die Täter es unbemerkt betreten konnten. Das verletzte Pferd wurde von seiner Besitzerin beim morgendlichen Kontrollgang in der Box liegend gefunden. Die Schnittwunde soll 15 Zentimeter tief gewesen sein. In Großenwörden wurde im August ein zutrauliches Stutfohlen Opfer der Gewalt. „Ich kann nicht verstehen, wie Menschen so etwas tun können“, sagt die Pferdehalterin aus Großenwörden. Selbst zwei Klinikaufenthalte in Elmshorn und in Hannover konnten das Fohlen nicht retten. Es starb bei einer Notoperation.

Beim Thema grausame Gewalt gegen Pferde fällt schnell der Begriff „Pferderipper“. Der norddeutsche Pferderipper war zwischen 1993 und 2004 aktiv. Damals gab es auch eine „Ermittlungsgruppe Pferd“ beim niedersächsischen Landeskriminalamt (LKA). Dieser Täter hat nach Einschätzung des LKA seit 2004 keine weiteren Taten verübt. „Dieser Täter wollte Pferde damals ganz bewusst töten“, sagt Frank Federau, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des LKA. Sein unglaublich brutales Vorgehen sei bei aller Dramatik mit den neueren Fällen nicht zu vergleichen.

Die Polizei hat drei Theorien, warum der Pferderipper seit 2004 keine Pferde mehr getötet hat. Da es sich aufgrund der Tatausführung um einen sehr kräftigen Mann gehandelt haben soll, könnte er einfach nicht mehr zu seinen Taten in der Lage sein. Eine weitere Möglichkeit ist der Tod des Gesuchten, eine dritte, dass er wegen anderer Taten im Gefängnis sitzt.

Angriffe auf Pferde gibt es öfter. Die Häufung ist aber besorgniserregend. 2011 gab es landesweit elf gemeldete Angriffe auf Pferde ohne Todesmeldung. Ohne die neuen Fälle gab es laut LKA in diesem Jahr neun Angriffe auf Pferde. Für Informationen zum Fall in Lamstedt erbittet die Polizei Hinweise unter Telefon (0 47 71) 60 70 beim Polizeikommissariat Hemmoor.

Von Karsten Wisser

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