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20. März 2011

Osteland fährt die Ernte ein

WINGST. Moin, moin, Mensch ist dat scheun...", schmetterten die 28 Kinder der 6a des Gymnasiums Warstade auf der Bühne im Wingster Gasthaus "Lütt Mandus" dem Publikum entgegen. Gerade eben waren die Hemmoorer Mädchen und Jungen mit einem Sonderpreis am "7. Tag der Oste" ausgezeichnet worden. Die Schulklasse wird in den Fächern Erdkunde, Geschichte und Sport von ihrem Lehrer Hans-Hinrich Kahrs zweisprachig unterrichtet, in hoch- und plattdeutsch.

Kahrs ist Plattdeutsch-Beauftragter des Landschaftsverbandes Stade und hat diesen Unterrichtsversuch mit Kindern gestartet, die überwiegend keine plattdeutschen Vorkenntnisse besaßen. Dieser wertvolle Beitrag zum Erhalt der bedrohten Regionalsprache war der Jury der AG Osteland allemal ein "Goldener Hecht" wert, der von nun an stolz im Klassenraum präsentiert werden kann.

Sechs weitere "Goldene Hechte" vergab der Verein  während der Festveranstaltung, zu der 220 Gäste und Ehrengäste gekommen waren. Der Kulturpreis wird alljährlich von der gemeinnützigen Arbeitsgemeinschaft Osteland vergeben, zu der sich inzwischen 420 Gemeinden, Vereine und Einzelmitglieder zusammengeschlossen haben. Unter der Schirmherrschaft der Landräte der drei Oste-Kreise Stade, Rotenburg und Cuxhaven wurden Persönlichkeiten ausgezeichnet, die sich in vielerlei Hinsicht um das Land an der Oste, dem längsten Nebenfluss der Unterelbe, verdient gemacht haben. Insgesamt ist der "Oste-Oscar" durch Sponsorengelder mit 3500 Euro dotiert. Insgesamt wurden seit 2005 52 Preisträger ausgezeichnet, die, so Jury-Sprecher und AG-Ostelandvorsitzender Jochen Bölsche, eine Art "Ehrenlegion des Ostelandes" bildeten.

Der Ort der Veranstaltung, die Wingst, war mit Bedacht gewählt worden, denn gerade hier erfülle sich gegenwärtig die Zielsetzung, die Ernte für die seit Jahren andauernden Bemühungen einzufahren, um den "vergessenen Fluss" mit vielfältigen Aktionen und Investitionen wieder in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses zu rücken. Bettina Gallinat, Bürgermeisterin der Samtgemeinde Am Dobrock, zählte die Maßnahmen auf, mit denen es gelungen sei, im staatliche anerkannten erholungsort Wingst aber auch in den Nachbargemeinden verloren gegangenes touristisches Terrain zurückzuerobern.

Die Oste sei ein Fluss, der verbindet und ihre vielseitige Landschaft kreisübergreifend repräsentiert, stellte Hans-Volker Feldmann, stellvertretender Cuxhavener Landrat fest. Die AG Osteland habe sich aus kleinen Anfängen in den acht Jahren ihres Bestehens zu einer deutschlandweit beispiellosen Interessenvertretung einer ländlichen Region gemausert, so Osteland-Sprecher Bölsche.

Laudatoren und Sponsoren übernahmen die Auszeichnung der diesjährigen Preisträger der "Goldenen Hechte" in den einzelnen Kategorien:

Literatur: Der Cuxhavener Autor Dr. Reinhold Friedl hat mit seinen Veröffentlichungen "Tödliches Tabu" und "Die große Hochzeit" die Oste zum Schauplatz seiner Krimi-Plots gemacht, in denen anschauliches Lokalkolorit auf aktuelle regional- und weltpolitische Bezüge trifft. Laudatorin Renate Bölsche ("Krimiland Kehdingen-Oste) reihte Dr. Friedl ein in die Tradition bekannter Lokalkrimi-Autoren, die den Ruf des Krimilandes begründet haben.

Medien: Der Naturfotograf Hermann Tödter aus Zeven begann bereits 1948 mit dem Fotografieren. Seit 1964 hat er sich auf die Tier- und Naturfotografie spezialisiert und wirbt in mittlerweile 30 Tonbildschauen und vielen Bildbänden bei Dutzenden von Vorträgen vor Heimat-, Landfrauen- und anderen Vereinen verstärkt für seine Heimat im Osteland, ein Naturparadies, das er durch seine meisterhaften Aufnahmen erlebbar macht.

Heimatpflege: In dieser Kategorie vergab die Jury zwei "Goldene Hechte". Um die Neubelebung der Museumsarbeit in Neuhaus im historischen Kornspeicher machte sich die gebürtige Rostockerin Ursula Schröder verdient. Sie betreut seit anderthalb Jahrzehnten das zunächst im Schleusenhaus und seit 1997 im Kornspeicher untergebrachte Heimatmuseum. Als Ortsheimatpflegerin führt sie kenntnisreich durch die ortskundlichen Sammlungen in dem 1726 erbauten Speicher und organisiert Sonderausstellungen und Schülerbesuche. Gemeinsam mit Evelyn Helenius-Scharten verantwortet Ursula Schröder die unlängst eingerichtete Website www.heimatmuseum-neuhaus-oste.de mit Informationen über Ort und Museum.

Der Geversdorfer Ortsheimatpfleger Günter Lunden hat sich 2007 mit einem Helferteam der in zwölf Räumen des Rathauses untergebrachten Sammlungen angenommen, das 126 Jahre alte Gebäude mit Unterstützung der Gemeinde renoviert, die Ausweitung auf ein Nachbargebäude und die im Februar erfolgte Gründung eines Trägervereins vorbereitet, dem er seither vorsteht. Auch das museale Kleinod in Geversdorf ist im Internet vertreten (www.heimatmuseum-geversdorf.de).

Denkmalschutz: Dr. Manfred Toborg erhielt stellvertretend für seine Mitstreiter des Vereins Kulturmühle Osten den Preis für die Rettung der über 100 Jahre alten Kornmühle, die nun als Veranstaltungsort das kulturelle Angebot der Schwebefährengemeinde erheblich erweitert. Das Projekt Kulturmühle gilt als besonders gelungenes Beispiel des Bürgerengagements im ländlichen Raum.

Tourismus: Ebenfalls aus Osten stammen Monika und Peter Prüß. Das Ehepaar ist verantwortlich für die Planung von Routen für den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) und für die Tourenleitung unter anderem auf der "Deutschen Fährstraße Bremervörde-Kiel".

Naturschutz: Sein Kampf gegen die Monotonisierung der Landschaft durch "Vermaisung" trug Gerhard Klotz, Vorsitzender der Jägerschaft Land Hadeln-Cuxhaven, den Preis in der Naturschutz-Kategorie ein. Am Oberlauf der Oste werden schon mehr als 50 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche auf diese Weise genutzt. Außerdem steht der Preis für das Bemühen der Jägerschaft, der Bedrohung der Artenvielfalt in Feld und Flur durch die Anlage von Feldgehözen und Blühstreifen zu begegnen.

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Die 6a des Gymnasiums Warstade bedankte sich bei den Gästen des 7. Tages der Oste mit dem plattdeutschen Ständchen "Moin, Moin..."
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Leserkommentare

Frajo Beckers,23. März 2011, 16:54 Uhr

Dr. Friedl

Habe alle Romane und Kurzgeschichten von Dr. Friedl gelesen. Bin begeistert von der Sprache und der hervorragenden Recherche der Tatorte. Die "Schreibe" ist zugleich spannend, informativ und unterhaltsam - hat man nicht häufig! Frajo Beckers
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