Warnung vor "Wettrennen"
KREIS CUXHAVEN. In seiner jüngsten Vorstandssitzung hat sich der Cuxhavener Wirtschaftsrat aus aktuellem Anlass mit dem landwirtschaftlichen Flächenverbrauch für Ersatzmaßnahmen beschäftigt, die regelmäßig nach naturschutzrechtlichen Vorschriften für Investitionen in die Infrastruktur und für größere Bauprojekte durchzuführen sind.
Die ganze Brisanz des Themas zeigt sich an der Absicht der Wilhelmshavener Realisierungsgesellschaft für den Jade-Weser-Port, die - wie berichtet - einen Teil der erforderlichen Ersatzflächen für den Tiefwasserhafen im Raum Hemmoor ankaufen will. Volker Kamps, Kreislandwirt und Vorsitzender des Niedersächsischen Landvolkverbandes in Hadeln, hat in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam gemacht, dass durch die dabei stattfindende Umwandlung von 100 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche rund 400000 Euro Euro Umsatz und zwei bis drei Arbeitsplätze in der hiesigen Landwirtschaft verloren gehen würden. "Wenn man die Wertschöpfung in der Folge der Verarbeitung der Produkte mit berücksichtigt, würde allein durch dieses geplante Kompensationsprojekt die Wertschöpfung eines ordentlichen mittelständischen Betriebes mit etwa 15 bis 20 Arbeitsplätzen stillschweigend verloren gehen, kritisiert Kamps das Hemmoorer Projekt.
Der Wirtschaftsrat verweist noch auf einen anderen Punkt: Angesichts des erheblichen Flächenbedarfs für im Landkreis Cuxhaven anstehende Projekte sei mit weiteren Belastungen des landwirtschaftlichen Grundstücksmarktes zu rechnen. Der Ausbau der Straßeninfrastruktur von B 73 und A 22, der mittel- bis langfristige Ausbau des Cuxhavener Hafens in einer Größenordnung von über 800 Hektar und die Errichtung der neuen Windparks im Zuge der Fortschreibung des Regionalen Raumordnungsprogramms des Landkreises "führen zu einem erheblichen Flächenbedarf". "Es darf zu keinem Wettrennen um die besten Ausgleichsflächen mit dem Ergebnis kommen, dass dadurch unsere eigenen regionalen Infrastrukturprojekte ins Hintertreffen geraten", fordert jetzt der Wirtschaftsrat.
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