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3. September 2010

Warnung vor "Abbauwüste"

LAMSTEDT/MITTELSTENAHE. Riesige Sandkuhlen statt Ackerbau, Bagger statt Traktor? Wenn der Entwurf des Regionalen Raumordnungsprogramms in der vorliegenden Form verabschiedet wird, dann sieht es für die Landwirtschaft in der Börde Lamstedt düster aus. Und das wollen Politik und Verwaltung nicht kommentarlos akzeptieren.

Die Kommunen müssen noch in diesem Monat ihre Stellungnahme zum Raumordnungsentwurf des Landkreises abgegeben haben. So auch der Mittelstenaher Rat, der in dieser Woche keinen Zweifel daran ließ, dass der Entwurf in einigen Punkten komplett an den lokalen Interessen vorbeigehe. So ist vorgesehen, dass der Bereich zwischen Lamstedt, Mittelstenahe und Nordahn als sogenanntes "Vorbehaltsgebiet Rohstoffgewinnung" ausgewiesen wird. Das Ziel: Es soll dort perspektivisch und planungsrechtlich ein großflächiger Abbau von Sand möglich sein.

Betroffen wären Areale, bei denen es sich bislang - so Otten - um "intensivste landwirtschaftliche Nutzflächen" handelt. "Das ist ein riesiges Gebiet. Wir müssen uns gegen eine jahrzehntelange Abbauwüste wehren", so der Samtgemeindebürgermeister vor dem Mittelstenaher Rat.

Otten sieht in einer derartigen Mega-Planung Gefahren für die Landwirtschaft: "Der ohnehin schon hohe Flächendruck würde noch größer werden."

Zudem beschwöre man einen weiteren Interessenkonflikt herauf, denn Lamstedt habe in der Raumplanung die Funktion als Erholungsgebiet. Wie man das mit der Rohstoffgewinnung in unmittelbarer Nähe in Einklang bringen will, sei ihm schleierhaft. "Diese Raumordnungsplanung des Landkreises ist mit unseren Interessen überhaupt nicht zu vereinbaren", so Otten auf NEZ-Nachfrage.

Er sei überrascht gewesen, als ihm der Raumordnungsentwurf mit einer solch gravierenden Planungsänderung auf den Tisch gelegt worden sei: "Das kam für uns aus heiterem Himmel." Über die Motive könne man nur spekulieren: "Möglicherweise geht es darum, mit Blick auf den Bau der Küstenautobahn potenzielle Sandabbauflächen ausweisen zu können."

Verschiedene politische Gremien haben bereits in der Börde getagt und teilen Ottens Kritik an der vorliegenden Planung. Gestern Abend sollte die Angelegenheit auch im Lamstedter Gemeinderat thematisiert werden. Am 22. September wird sich der Samtgemeinderat abschließend mit dem Programmentwurf befassen. Vertagen kann der Börde-Rat das Thema dann nicht mehr: Zwei Tage später endet die Frist für eine Stellungnahme.

Von Ebgert Schröder

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