Umweltgift im Klärschlamm

LAMSTEDT. Perfluorierte Tenside im Klärschlamm? Das ist nicht unbedingt eine gute Nachricht, denn PFT, so die Abkürzung der Chemikalien, gelten als in der Natur nicht abbaubar, wirken toxisch und stehen im Verdacht krebserregend zu sein. Dennoch kommen die industriell hergestellten organischen Verbindungen aufgrund der Vielzahl ihrer Verwendungsmöglichkeiten relativ häufig in der Umwelt vor.

Ende des vergangenen Jahres musste auch die Samtgemeinde Börde Lamstedt diese negative Erfahrung machen. "Der Schadstoff wurde im Klärschlamm entdeckt", so Samtgemeindebürgermeister Werner Otten gegenüber dem Umwelt-, Planungs- und Bauausschuss des Samtgemeinderates. Die Beseitigung des kontaminierten Schlamms aus der Kläranlage hat 50 000 Euro gekostet.

Normalerweise wird der Klärschlamm als wertvoller Dünger an die Landwirtschaft abgegeben. Das durfte in diesem Fall nicht geschehen, denn der Grenzwert war überschritten. Da PFT-Chemikalien sich auch im menschlichen Körper anreichern und dort hartnäckig festsetzen können, musste der Klärschlamm umgehend thermisch entsorgt - also in einer Abfallverwertungsanlage verbrannt - werden, bevor er ins Grundwasser und in Nahrungsmittel gelangen konnte.

Der langlebige organische Schadstoff PFT wird in normalen Kläranlagen nicht abgebaut. Beim biologischem Abbau werden dort vor allem Mikroorganismen aktiv, die die PFT jedoch nicht verstoffwechseln können. Der Schadstoff kann so unvermindert in den Vorfluter und den Klärschlamm gelangen. Einzige Möglichkeit, PFT vollständig aus dem Wasser zu entfernen, ist, Abwässer über Aktivkohle zu filtern. Die Verursacher zur Herkunft der im Abwasser enthaltenen PFT zu ermitteln ist zudem schwierig.

Das musste auch die Samtgemeinde, beziehungsweise der Wasserversorgungsverband Wingst, der für die Samtgemeinde die Fäkalschlammentsorgung übernommen hat, feststellen. Seit 2008 wird das Abwasser auf die Perfluorierten Tenside analysiert. Aus welcher Quelle das Umweltgift ins Abwasser gelangt ist, konnte trotz der Nachforschungen des Wasserverbandes und der Samtgemeinde nicht herausgefunden werden. Nachträgliche Kontrollen mittels Kohlefiltern an bestimmten Messpunkten blieben glücklicherweise ohne Ergebnis. Die Kontamination mit dem Tensid scheint demnach ein Einzelfall gewesen zu sein.

Es können somit nur Vermutungen darüber angestellt werden, aus welcher Quelle die PFT in die Kläranlage gelangt sein könnten. Vorstellbar seien unter anderem Feuerlöschmittel, die PFT enthalten, die unsachgemäß entleert wurden. Die Verbindungen werden außerdem in der Textilindustrie zur Herstellung atmungsaktiver Jacken und in der Papierindustrie zur Herstellung von schmutz-, fett- und wasserabweisenden Papieren verwendet.

Weitere Einsatzgebiete sind die Fotoindustrie, die Luftfahrt und die galvanische Industrie. PFT können auch Bestandteile von Schmier- und Imprägniermitteln sein. Die Kosten für die vorgeschriebene Entsorgung des kontaminierten Klärschlamms werden aus Rücklagen finanziert. Eine Gebührenanhebung durch den bislang einmaligen Vorfall droht dadurch nicht. Dennoch will sich der Ausschuss verstärkt Gedanken darüber machen, ob die Klärschlammverwertung durch die Landwirtschaft, die bisher als die beste und günstigste Lösung angesehen wurde, unter den Vorzeichen solcher Gefahren künftig noch die richtige ist.

Vorerst hat der Ausschuss seine Abwassersatzung angepasst. Denn bisher war der Umgang mit solchen Schadstoffen, die verbotenerweise in die Kläranlage eingetragen werden, darin nicht explizit enthalten. Verstöße dagegen sollen mit einem Bußgeld von 5000 Euro geahndet werden. Hinzu kommen die Kosten für die Entsorgung, sofern der Verursacher ermittelt werden kann.

Von Ulrich Rohde

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