Umstrittene Kampagne:
Ist Naturschutz "Landfraß"?
KREIS CUXHAVEN. Neue Autobahnen, neue Umgehungsstraßen, neue Gewerbegebiete: Immer mehr Flächen in der Region werden versiegelt und stehen den Bauern nicht mehr zur Verfügung. Dieser "Landfraß" sei ein großes Problem - und zwar bundesweit, klagen die Bauernverbände. Sie haben deshalb eine Kampagne gegen den Flächenverbrauch gestartet. Die richtet sich aber auch gegen den Naturschutz. Die Folge: Proteste.
Um die Öffentlichkeit für das Problem des Flächenverbrauchs zu sensibilisieren, haben sich Bauernverbände auf Bundes- und Landesebene die Kampagne "Stoppt Landfraß" ausgedacht und eine Online-Petition zu diesem Thema gestartet.
Doch ein kleiner Satz am Ende der Petition stößt den Umweltverbänden sauer auf: Naturschutzausgleich solle in Zukunft so gestaltet werden, dass hierdurch der Landwirtschaft nicht weitere Flächen verloren gingen. Kurz: Naturschutz ist aus Bauernsicht "Landfraß".
"Hier werden Ursache und Wirkung miteinander verwechselt", findet BUND-Sprecherin Almut Gaude. Durch Naturschutz würden Flächen nicht überbaut oder versiegelt und damit "verbraucht" - im Gegenteil. Die vom Bauernverband beklagten Ausgleichsmaßnahmen seien auch nur fällig, wenn anderenorts ein tatsächlicher "Landfraß" durch eine Baumaßnahme stattfinde. Hier müsse man ansetzen und solche Großprojekten entgegentreten.
"Wir sind nicht grundsätzlich gegen Naturschutz", sagt dagegen der Hadler Landvolk-Geschäftsführer Detlef Jungclaus. Nur dürfe dieser eben nicht zu Lasten landwirtschaftlicher Flächen gehen. Er sähe es gerne, wenn man Naturschutzausgleich durch Aufwertung bereits bestehender Schutzgebiete leisten könnte.
Hintergrund: Schon seit Jahren beklagen Landwirte und Umweltschützer den Verlust landwirtschaftlicher Nutzflächen durch große Bauvorhaben. Pro Tag gehen in Deutschland rund 90 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche durch Siedlungs- und Infrastrukturvorhaben verloren.
Von Roland Ahrendt
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