Tanzass mit Otterndorf-Faible
OTTERNDORF/BREMERHAVEN. Was haben Samba, Hochschule und Otterndorf gemeinsam? Sie alle spielen in Julia Schulzes Leben derzeit eine große Rolle. Für ihre Bachelor-Arbeit taucht die tanzsportbegeisterte Studentin tief hinab in das Innenleben der Otterndorfer.
"Du studierst WAS?" Diese Frage musste sich Julia Schulze in den vergangenen fünf Jahren mehr als einmal anhören. Der etwas sperrige Studiengangstitel "International Cruise Industry Management" sorgt bei Nicht-Studenten oftmals für Ratlosigkeit. Die deutsche Version bringt etwas mehr Klarheit: "Man kann es mit See- und Kreuzfahrttouristik übersetzen", sagt Julia Schulze.
2008 hat die Bremerhavenerin mit dem Studium begonnen, jetzt ist sie im achten Semester und biegt auf die Zielgerade ein: Nach den Osterferien startet die heiße Phase ihrer Bachelor-Arbeit, die sich mit dem Nordseebad Otterndorf beschäftigt.
Otterndorf? Vor ihrem Studium hatte die 22-Jährige wenig bis gar keine Berührungspunkte zur Medemstadt. "Ich glaube, ich war mal als Hortkind in der Spielscheune, das war alles", meint Julia Schulze. Im Rahmen eines studentischen Projekts zum Otterndorfer Leitbild hat sie das kleine Städtchen an der Medem nun näher kennen gelernt, ja, es ist ihr sogar ans Herz gewachsen. "Ich bin beeindruckt von dem Zusammenhalt der Menschen in Otterndorf", sagt sie. Auch die Lage der Stadt, so nahe am Wasser, gefällt der Kreuzfahrt-Studentin außerordentlich gut.
Ihre Bachelor-Arbeit basiert auf der Auswertung der Bürger-Fragebögen, die derzeit in Otterndorf die Runde machen. Wie zufrieden sind die Otterndorfer mit ihrer Stadt? Was halten sie von der Gastronomie, vom Einzelhandel und der Verkehrssituation? Wie familien- , senioren- und jugendfreundlich ist Otterndorf? Braucht Otterndorf mehr Touristen? Die Antworten auf diese und viele weitere Fragen sollen einen Einblick in die Bedürfnisse und Interessen der Bürger geben und letztlich in ein neues Otterndorfer Leitbild fließen.
Bis zum 10. April läuft die Bürgerumfrage. Dann werden sämtliche Fragebögen mit der Statistiksoftware SPSS ausgewertet und von Julia Schulze analysiert. Ganz klar: Bei dem Wust an Daten müssen Schwerpunkte gesetzt werden.
Einer dieser Schwerpunkte könnte beispielsweise der Vergleich Senioren und Jugendliche sein: Wie unterscheiden sich die Otterndorf-Ansichten von Jüngeren und Älteren, etwa in Bezug auf Freizeitmöglichkeiten, Öffnungszeiten und Hundefreundlichkeit? "Ich rechne mit spannenden Ergebnissen", sagt Julia Schulze. Ende Mai will die Studentin erste Resultate präsentieren; im Juli gibt sie die 15 000 Wörter starke Bachelor-Arbeit ab.
Und wie geht es mit der Bremerhavenerin anschließend weiter? "Ich will in Bremen Business Management studieren und den Master machen", verrät Schulze. Wohin es sie später beruflich verschlagen wird, kann sie noch nicht genau sagen, aber der Kreuzfahrt-Marketingbereich würde ihr durchaus gefallen.
Nie den Rhythmus verlieren - diesen Leitsatz für Studium und Beruf hat Julia Schulze längst auch auf ihr Hobby übertragen: Als Mitglied der ersten Lateinformation der TSG Bremerhaven hat sie schon diverse Titel und Pokale ertanzt und 2007 sogar den Weltmeistertitel errungen. "Tanzen ist Träumen mit den Beinen", sagt die Bremerhavenerin, die nicht nur in der Formation, sondern auch mit ihrem Freund Mathias als Einzelpaar bei Turnieren antritt. In Kürze zieht Julia mit ihrem Freund zusammen. Dann wird sich zeigen, ob das Paar nicht nur auf dem Tanzparkett, sondern auch im Beziehungsalltag harmoniert. Julia Schulze lacht: "Ich bin da sehr optimistisch."
Von Jens-Christian Mangels
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