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3. September 2010

So lange wie möglich unter Dampf bleiben

HEMMOOR. "Die erste Schicht wird mit Kinderhand, die zweite mit Frauenhand und die dritte mit Männerhand gestopft", sagt Dieter Schulz, Vorsitzender des Rauch- und Unterstützungsklubs Warstade, während er konzentriert den Tabak in den Pfeifenkopf drückt. Danach gibt der Schiedsrichter das Kommando "Feuer frei!". Von diesem Zeitpunkt an zählen die Minuten - beim Pfeifelangsamrauchen.

Am morgigen Sonnabend ist der "Rauch- und Unterstützungsklub Warstade e.V. von 1904" zum zweiten Mal in der Geschichte der Deutschen Meisterschaft als Ausrichter aktiv. Die Mitglieder des Vereins verbindet allerdings nicht nur das gemeinsame Pfeiferauchen.

"Früher, als es noch die Zementfabrik in Hemmoor gab, haben die Arbeiter oft nach der Schicht zusammengesessen", berichtet Schulz. "Die Besserverdienenden wollten die Schlechterverdienenden unterstützen und so kam man auf die Idee einen Verein zu gründen." Es wurde zunächst Kohle zum Heizen verteilt, in den 50er-Jahren folgte das Verteilen von Rum und Kaffee. "Der Verein lebte schon immer von der Hilfsbereitschaft", erklärt die Ehefrau des Vorsitzenden, Ingetraut Schulz, die selber seit Jahrzehnten im Verein aktiv ist. Heute zählt der Klub über 150 Mitglieder.

Die Meisterschaft am Sonnabend ist für den Verein natürlich etwas Besonderes, allerdings ist der Ablauf beim Pfeifelangsamrauchen für die Teilnehmer reine Routine. Zunächst verteilt der Schiedsrichter die Pfeifen, die im Anschluss auf korrekte Funktionalität geprüft werden. Zudem gibt er exakt drei Gramm Tabak, Holzstopfer und zwei Streichhölzer aus.

Beim Pfeifelangsamrauchen kommt es auf die Feinheiten an. Selbst die Streichhölzer inspizieren die Teilnehmer haargenau. "Sollten sie durchbrechen und du bekommst deine Pfeife nicht an, hat sich der Wettkampf für dich schon erledigt, bevor er überhaupt so richtig angefangen hat", weiß Dieter Schulz aus Erfahrung.

Sollte das Arbeitsmaterial einwandfrei sein, geht es ans Stopfen der Pfeife. Fünf Minuten ist dafür die Zeitvorgabe. Jeder hat dabei seine eigene Technik, wobei die untere Schicht immer lockerer als die oberste Schicht gestopft werden muss, da sonst das Loch verstopfen kann.

Im Anschluss ist eine Minute Zeit, um den Tabak in "Brand" zu setzen. Wenn dem Teilnehmer das gelingt, gilt es, die Pfeife möglichst lange unter Dampf zu halten. Geheimnisse dabei sind ein geschultes Auge für die Glut sowie ein Gespür für die richtige Wärme der Pfeife. Wer als Letzter noch qualmend am Tisch sitzt, hat gewonnen.

"Die ersten zehn Minuten sind die gefährlichsten, da scheidet meist schon eine Vielzahl der Teilnehmer aus", weiß Dieter Schulz. Wenn man diese Zeit qualmend überstanden habe, seien 60 bis 90 Minuten eine gute Zeit. Der Weltrekord liegt sogar bei über drei Stunden.

Unter den 150 Rauchern sitzen am morgigen Sonnabend bei der Deutschen Meisterschaft in Hemmoor-Heeßel auch zahlreiche Teilnehmer, die gar nicht unbedingt Pfeifengenießer sind. "Bei den Wettkämpfen haben wir immer eine Zahnbürste und Lakritzbonbons dabei, um den Geschmack schnell wieder aus dem Mund zu bekommen", erklärt Ingetraut Schulz. Und: "Außerhalb solcher Veranstaltungen sind die meisten sogar Nicht-Raucher."

Von Joel Grandke

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Dieter Schulz vom Rauch- und Unterstützungsklub Warstade weiß, dass beim Anzünden des Tabaks Ruhe und Präzision gefragt sind. Foto: Grandke
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