Sein Hobby zum Beruf gemacht
OTTERNDORF. Diese Zeit vereister und verschneiter Straßen und Wege fordern Klaus Lohmann eine ordentliche Portion Geduld ab. Der passionierte Läufer kann es kaum noch abwarten, endlich wieder morgens früh die Laufschuhe schnüren zu können. Im Augenblick ist es dem 59-jährigen Otterndorfer noch zu riskant, auch wenn die attraktiven Laufstrecken in der Stadt für den gebürtigen Kölner reiner Genuss sind.
Aber Klaus Lohmann hat auch ohne seinen Sport genug um die Ohren. Er ist in diesem Jahr Präsident des Rotary Clubs Otterndorf-Land Hadeln, dem er seit 2006 angehört, und er hat natürlich seinen Beruf. Seit 2003 hat der studierte Elektrotechniker im Bereich Hochfrequenztechnik und Nachrichtentechnik seine Selbstständigkeit aufgebaut und kooperiert in dem Bereich "Software Defined Radio" (Funk-Telekommunikationssysteme) mit einem Partnerunternehmen in Austin/Texas. "Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht", sagt Klaus Lohmann. In seinem kleinen Labor unter dem Dach seines Hauses beschäftigt er sich mit Methoden, möglichst die komplette Signalverarbeitung eines Hochfrequenz-Senders oder -Empfängers mit Hilfe von Hardware in PC-Software abzubilden.
Das Interesse für Technik bildet nur eine Facette in Klaus Lohmanns Leben. Davor hatte er eine außerordentliche Karriere als Offizier der Luftwaffe bei der Bundeswehr durchlaufen. Als einer der ersten Jahrgänge studierte er an der Hochschule der Bundeswehr in Hamburg die ungewöhnliche Fächerkombination Erziehungswissenschaften und Elektrotechnik. Zahlreiche Stationen folgten, etwa in Führungsverwendungen im Raum Cuxhaven und Diepholz im Bereich der Flugabwehrraketensysteme. Durch seine Zeit in dieser Region haben Klaus Lohmann und seine Frau Bianca mit ihrer Tochter in Otterndorf Wurzeln geschlagen. Die Stadt ist seine "Wahlheimat" geworden. Ihn begeistert die "ungestörte Harmonie zwischen dem Tourismus und dem normalen Leben der Einwohner".
Die Führungsposition bei der Luftwaffe - er nahm im Rang eines Oberst im Generalstabsdienst seinen Abschied - verlangte von ihm und seiner Familie hohe Flexibilität, Mobilität und eine gewisse Leidensfähigkeit ab. Dennoch: "Ich kann nur jedem raten diesen Weg einzuschlagen. Nirgendwo kann man in seinem Beruf mehr erleben." Klaus Lohmann ging in den Generalstabsdienst im Verteidigungsministerium und in Kommandobehörden. Es schlossen sich Lehraufträge an der Führungsakademie der Bundeswehr sowie drei Jahre wissenschaftlicher Arbeit als Politikwissenschaftler an der Kieler Universität in Zusammenarbeit mit dem bekannten Politikwissenschaftler Prof. Dr. Werner Kaltefleiter an. Von 1999 bis 2001 war er Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr in Strausberg bei Berlin. Beruflich besonders "befriedigend" sei das gewesen, denn das Forschungsinstitut betrieb unter seiner Leitung auch wissenschaftliche Politikberatung im Bereich Sozialwissenschaften für die Berliner Regierung, so zu den Auslandseinsätzen der Bundeswehr und zur Integration von Frauen in die Bundeswehr.
Die Hinwendung zur neuen beruflichen Existenz hat Klaus Lohmann trotz der aufregenden Dienstjahre nicht bereut. Seine Leidenschaft für das Fliegen kommt derzeit zwar zu kurz, dafür hat er sich voll und ganz der rotarischen Idee verschrieben. Rotary ist für ihn vor allem ein ethischer Gedanke. Als Club-Präsident will er neben dem internationalen sozialen Engagement in Ghana, wo Neugeborene vor der HIV-Infektion bewahrt werden, auch lokale Projekte in der Region kräftigen. Für ihn ist es Aufgabe der Service-Clubs zum Gemeinwohl beizutragen und Wertvorstellungen in die Gesellschaft hineinzutragen, die ihr abhanden zu gehen drohen: Einsatz für Benachteiligte und Gemeinsinn.
Von Ulrich Rohde
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