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11. Mai 2012

Nonnengänse "Schädlinge unter Naturschutz"

BELUM. Landwirte aus Belum sind verärgert: Seit Jahren haben sie mit Scharen von Wildgänsen zu kämpfen, die auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen am Außendeich auf ihrer Reise zurück in den Norden rasten und große Schäden anrichten. Die Hauptgrundfutterversorgung für das Milchvieh sei nach dem Abzug der Vögel nur schwer oder gar nicht mehr zu retten, klagen sie. Ein Umstand, der sich im Ertrag deutlich bemerkbar mache.

Gerade die Flächen, die am intensivsten zur Silogewinnung genutzt werden, sind am stärksten betroffen, wie Detlef Jungclaus vom Landvolk weiß. „Die Gänse verhalten sich menschlich und gehen zuerst dahin, wo es schmeckt. Das kräftige, eiweißhaltige Gras auf den Flächen zur Silonutzung schmeckt ihnen am besten.“ Erst wenn das gute Gras knapp werde, würden die Nonnengänse, wie sie wegen ihres an katholische Trachten erinnernde Aussehens auch genannt werden, auf die ausgewiesenen Naturschutzgebiete ausweichen.

Der Schaden für die Landwirte ist groß: Der gesamte erste Schnitt, der die Hälfte des Jahresertrages ausmacht, fällt im schlimmsten Fall komplett weg. Der Gänsefraß ist ein Problem, das nicht nur in Belum, sondern auch weiter entlang der Elbe, vor allem im Kehdinger Bereich, auftritt. Die Außendeiche an der Unterelbe gehören zu einem Naturschutzgebiet von europäischer Bedeutung. Hier treffen Naturschutz und landwirtschaftliche Interessen direkt aufeinander – ein langjähriger Konflikt.

Da die Vögel unter Naturschutz stehen und nicht vergrämt werden dürfen, sind den betroffenen Landwirten die Hände gebunden. Sie haben den Schaden, können aber nichts dagegen unternehmen und fühlen sich mit dem Problem allein gelassen.

Um die Landwirte zu unterstützen, bietet die niedersächsische Landwirtschaftskammer Kooperationsprogramme an, bei denen die Betroffenen für die Ernteeinbußen durch Gänsefraß entschädigt werden. So erhalten die Teilnehmer pro Hektar Land durchschnittlich 260 Euro, wenn sie die Wildgänse dulden und die Naturschutzauflagen einhalten.

Doch allein das Geld aus dem Programm kann den Schaden aus ihrer Sicht nicht decken. Im Gegenteil: „Das Geld bringt uns nichts, wir brauchen das Futter. Entweder muss das Futter in Form von Silomais ersetzt werden oder die Vögel müssen legal vergrämt werden dürfen“, fordert Joachim Schlichting, dessen Flächen ebenfalls vom Gänsefraß betroffen sind.

Klaus Meyer von der Stader Außenstelle der Landwirtschaftskammer erklärt, warum das Kooperationsprogramm unter Landwirten auf breite Ablehnung stößt: „Die große Krux ist, dass sich die Teilnehmer fünf Jahre für das Programm und dessen Auflagen verpflichten. Wer aussteigen will, muss die gesamte Summe der gezahlten Entschädigungen zurückzahlen. Das können beispielsweise nach vier Jahren über Hunderttausend Euro sein.“

Von Niklas Rohde

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Für die einen ein Naturschauspiel, für die anderen eine Plage: Im Frühling und im Herbst machen die Nonnengänse auf ihrer Reise in den Süden und zurück jeweils für einige Wochen Rast am Belumer Außendeich. Foto: Schröder
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