Radfahrer strampeln vorbei

NEUHAUS. Es war ein Abend mit Anziehungskraft. Rund 60 Interessierte folgten im Gasthaus "Achtern Diek" der gemeinsamen Einladung des Vereins Tourismus Ostemündung und des Gewerbevereins Neuhaus. Sie informierten sich über Möglichkeiten, den Tourismus anzukurbeln.

Als Moderator hatten Olaf Schlichting (Gewerbeverein) und Ursel Wentzel (Tourismusverein) Walter Rademacher gewonnen, der die Motivation verdeutlichte: "Es geht hier nicht um Konflikte, sondern darum, was man anschieben kann - und Tourismus ist unsere Chance". Dazu bezogen verschiedene Referenten Stellung.

Bürgermeister Georg Martens stellte dar, dass der Bau des Sperrwerks und der daraus entstandene Ostesee seit den 60er-Jahren die touristische Keimzelle des Fleckens sei. Dort entwickelten sich Ferienhausgebiet und Wasserskianlage. Mitte der 70er-Jahre kamen Maßnahmen im Alten Hafen und die Entstehung des Deichwanderweges dazu sowie der tideunabhängige Jachthafen. 1987 wurde der Schiffsanleger eingeweiht sowie das Freizeitgelände und der Spazierweg von Marienhörne bis Alten Hafen. Deutliche Verbesserung der Lebensqualität brachte die Städtebauförderung mit umfangreichen Instandsetzungsarbeiten des historischen Ortskerns. So wurde auch der Kornspeicher zur Touristinfo und Heimatmuseum. 2006 wurde dann der Hafenbereich neu gestaltet, der sich zum beliebten Anlaufpunkt für Wohnmobile entwickelt habe. Finanziell problembehaftet sei Neuhaus durch die Unterhaltung von sieben Brücken.

Michael Johnen, Touristiker der Samtgemeinde Am Dobrock, erläuterte die strategische Einbettung in die Tourismuskonzepte sowie Marketingmöglichkeiten. Er hatte an diesem Abend aber auch handfeste Tipps für die Neuhäuser parat. Man müsse nämlich dafür sorgen, Gäste und Ausflügler möglichst lange im Ort zu halten. Möglichkeiten sieht Johnen zum Beispiel durch Geocaching (elektronische Schatzsuche per geografischer Koordinaten), Verbesserung der Informationen für Wassersportler sowie für Radfahrer. So müsse an Radweg-Knotenpunkten durch gute Infoschilder versucht werden, mehr Besucher in den Ort zu bekommen. Zum Campingtourismus sagte der Touristikexperte bewusst wertfrei: "Passen Sie auf, dass Sie sie nicht aus dem Ort vergraulen. Wenn Urlauber sich erst ?mal unwohl fühlen, ist es schwierig, sie zurückzugewinnen."

Dass Radtouristen es noch nicht leicht genug gemacht wird, im Flecken auf Entdeckungstour zu gehen, wurde an diesem Abend mehrfach deutlich. Bernd Ehlers vom Kreisverband des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs veranschaulichte, dass die Beschilderung zurzeit Radtouristen keineswegs in den Ort lockt, weil es für sie an Knotenpunkten an Informationen und Aufenthaltsgelegenheiten fehlt. Zudem müssten nützliche Angebote geschaffen werden - angefangen von geeigneten Abstellmöglichkeiten bis zur Gepäcktaschen-Unterbringung. Dass tatsächlich mangels Info meistens einfach vorbei gestrampelt wird, hat an einem Augusttag Walter Rademacher erlebt, der sich am Radwanderweg postiert hatte, Touristen direkt ansprach und ihnen die Empfehlung ans Herz legte, sich doch den Ort anzuschauen. Immerhin 22 Leute ließen sich dazu von ihm überreden. Kerstin Hintz aus der LAG Altes Land riet den Neuhäusern, Potenziale zu bündeln und die Stärken in den Mittelpunkt zu rücken. "Man muss nicht überall mitmischen, um gut zu sein." Dass sich in direkter Nachbarschaft zu Neuhaus demnächst touristisch noch mehr tun soll, verdeutlichte an diesem Abend Dr. Clivia Häse, Leiterin des seit 20 Jahren bestehenden Natureums. Noch unter Vorbehalt, weil noch Zusagen ausstehen, stellte sie Pläne für die Umgestaltung vor. So soll eine große neue Ausstellungshalle gebaut werden, die ab 2012 ihren Blickpunkt auf die Besonderheit von Flora und Fauna der Küstenwelten und des Elbe-Ästuars richten wird. Dieser "Küstenschuppen" soll - neben dieser Dauerausstellung - auch Wechselausstellungen Platz bieten.

Um den Eingangsbereich des Natureums umzugestalten, seien Flächen erworben worden, der Wanderweg bliebe erhalten, werde jedoch umgeleitet und zusätzlich entstehen zwölf Wohnmobil-Stellplätze mit Versorgungseinrichtung.

Von Wiebke Kramp

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