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5. Februar 2010

Mit ganzem Herzen Vogelkundler

KREIS CUXHAVEN. Rund 250 Vogelarten sind im Landkreis Cuxhaven nachgewiesen. Die Region zwischen Meer und Geest, Moor und Flüssen gilt damit als eine mit ungewöhnlich großem Artenreichtum. Für Dr. Hans-Joachim Ropers, den Kreisvorsitzenden des NABU, in vielfacher Hinsicht ein großer Gewinn.

Das NABU-Team aus dem Cuxland räumt beim bundesweiten "Bird Race", einem Wettbewerb, bei dem innerhalb eines bestimmten Zeitraums möglichst viele Vogelarten nachgewiesen werden müssen, regelmäßig ab. "Wir liegen immer Kopf an Kopf mit Nordfriesland vorne. Das Binnenland wird immer abgehängt", schmunzelt Ropers. Für den leidenschaftlichen Ornithologen aber natürlich nur eine schöne Nebensache.

Grundlage der Kenntnisse über die Vielfalt und den Bestand der Vogelarten im Landkreis sind die ornithologischen Jahresberichte, die der NABU seit 1998 herausgibt. "Vögel sind wichtige Bio-Indikatoren", sagt Dr. Ropers. "An ihnen ist schnell zu merken, wenn etwas nicht stimmt." Dabei seien in den vergangenen Jahren durchaus positive Tendenzen erkennbar, etwa die Rückkehr des seit 100 Jahren in der Region ausgestorbenen Seeadlers oder die Wiedereroberung der renaturierten Moore durch den Kranich, der ebenfalls seit Beginn des 20. Jahrhunderts aufgrund der Ausbeutung und Trockenlegung der Moorflächen nicht mehr beobachtet wurde.

Überall gibt es hoffnungsvolle Ansätze, den Artenreichtum weiter zu verstärken, aber es gibt immer wieder auch Rückschläge, die dem Naturschützer Dr. Ropers keine Ruhe lassen, etwa die stetig zunehmende "Vermaisung" der Agrarlandschaft. Landwirte wandeln Stilllegungsflächen um in Maisfelder, um die Energiepflanze in Biokraftwerken einzusetzen. Dr. Ropers: "Wir dürfen die Probleme der Landwirte nicht verkennen. Sie stehen unter großem Druck. Der Naturschutzbund versucht auf unterschiedliche Art und Weise mit ihnen zusammen zu arbeiten."

Vogelkundler und -schützer ist Dr. Hans-Joachim Ropers seit frühester Jugend. Aufgewachsen in Lüdingworth-Westerende als Sohn eines Zwergschullehrers ergab sich das Interesse für die Natur und die Vogelbeobachtung gewissermaßen von selbst, denn das Beobachtungsgebiet lag direkt vor der Haustür. "Ich hatte eine interessante Schulzeit", erinnert sich Dr. Ropers. Bis zur 8. Klasse wurde er in der einklassigen Volksschule von seinem Vater unterrichtet.

Mit 15 schloss er sich der Cuxhavener Gruppe des Deutschen Jugendbundes für Naturbeobachtungen an, dessen Leitung er nach einem Jahr übernahm. "Wir haben viele Exkursionen unternommen, Camps auf Föhr und Fehmarn organisiert und zu Pfingsten auf dem Hullen an der Ostemündung gezeltet." Die Vogelkunde wurde für Dr. Ropers zu einer immer intensiveren Beschäftigung, gefördert durch Persönlichkeiten wie Wilhelm Lemke, den führenden Vogelkundler im Elbe-Weser-Raum, der zum Freund wurde, oder auch Hermann Rauhe, den Begründer der Ornithologie in der Region, mit dem er gemeinsam Rohrweihen und Sumpfrohreulen im Moor beringte.

Sein Hobby war letztlich auch die Motivation für die Wahl seiner Studienfächer Biologie und Chemie, bildete an der Universität für ihn aber keinen Schwerpunkt. "Mein Hobby sollte für mich immer Freiraum sein." An seinem Studienort Göttingen trat Dr. Ropers in den Deutschen Bund für Vogelschutz, die Vorgängerorganisation des NABU, ein.

Dr. Ropers ist schon seit 1984 Vorsitzender der Cuxhavener NABU-Gruppe und auch des 1989 gegründeten Kreisverbandes mit heute 440 Mitgliedern. Bis vor einem Jahr war er auch stellvertretender Landesvorsitzender und ist jetzt im erweiterten Landesvorstand. "Wir sind flächendeckend vertreten, haben einen hohen Organisationsgrad unter den Ehrenamtlichen und sind mit Abstand der größte Naturschutzverband."

Dr. Ropers, seit 1980 Gymnasiallehrer für Biologie und Chemie am Gymnasium Wesermünde, ist entschieden in der Sache aber immer moderat im Ton. Diesem Charakter entspricht auch der NABU: sachbezogen, leise, aber effizient und professionell. Als Fachverband nimmt der NABU regelmäßig Stellung zu verschiedenen Eingriffen in den Naturhaushalt, sei es die Errichtung von Windparks oder die Elbvertiefung. "Wir konzentrieren uns auf die wirklich wichtigen Verfahren, wo vom NABU erwartet wird, dass er Position bezieht."

Als Anhänger regenerativer Energien sieht Dr. Ropers das Dilemma für den Naturschutz. "Die Akzeptanz für Windenergie schwindet, wenn wir von Windkraftanlagen umzingelt sind." Er hofft, dass der Wildwuchs der Gründerzeit der Windmüller sich nicht bei der Offshore-Windenergie wiederholt. Aber auch an Land sieht er erhebliche Probleme angesichts neuer Windparkpläne im Cuxland. Der NABU-Vorsitzende sagt klar: "Die Sättigungsgrenze ist erreicht."

Von Ulrich Rohde

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Leserkommentare

Butenkehdinger, 5. Februar 2010, 12:36 Uhr

Respekt und Zweifel

Man darf wohl annehmen, daß Dr. Ropers für sein ehrenamtliches Engagement jeden Respekt verdient.

Seine Organisation, der NABU, schneidet in diesem Artikel allerdings viel zu gut ab.

Der Ausbau der sogenannten Erneuerbaren Energien hat die Kulturlandschaft in einem Maße verändert, wie das zuvor nur durch große Naturkatastrophen möglich war. Das geschah ohne Widerstand, oft sogar mit ausdrücklicher Zustimmung des NABU und seiner Verwandten, des WWF und des BUND.

Nun ist das Land mit über 20 000 Vogelschreddern vollgestellt, die Zufallsstrom erzeugen. Maismonokulturen breiten sich krebsartig aus und sind nur gut für Wildschweine. Der neueste Renner sind hektargroße Photovoltaikanlagen, die nur um die Mittagszeit manchmal ein Energierinnsal produzieren.

Das alles nutzt den Betreibern und der beteiligten Industrie. Die Allgemeinheit hat keinerlei Nutzen, sondern nur Kosten und Einschränkungen der Lebensqualität.

Für die Tierwelt insgesamt, aber besonders für die heimische Vogelwelt, sind diese Eingriffe in die Landschaft eine Katastrophe. Der damalige Bund für Vogelschutz hätte sich dagegen gewehrt. Der heutige BUND hat andere Schwerpunkte. Die vorsichtigen Zweifel des Dr. Ropers an dieser Entwicklung bleiben eine Einzelstimme.
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