Nachrichten, Lokalsport und Anzeigen aus dem Landkreis Cuxhaven
WERBUNG
4. März 2010

Lobbyist für Lachs und Stör

OSTEN. Vom Eise befreit sind Dorffleet und Oste - und eigentlich müsste jetzt das Anglerherz höher schlagen, bald wieder Aal und Forelle nachstellen zu können. Aber Wolfgang Schütz (58) hat für solche Gedanken weder Platz noch Zeit. Bei dem Ex-Soldaten kreist alles um viel dickere Fische, die in seinem Gedankennetz zappeln.

Morgen findet in Großenwörden der zweite Stör-Gipfel statt und der Ostener als Vorsitzender der Pachtgemeinschaft Oste und der AG Wanderfische ist Einladender. Der Herr der Angler besitzt eine gewichtige Stimme. Der Ostepachtgemeinschaft gehören immerhin 22 Vereine mit 5700 Mitgliedern und der Wanderfischbewegung sogar 32 Vereine mit rund 7700 Mitgliedern an.

Der Stör ist mehr als Wolfgang Schütz' Steckenpferd. Die Rückkehr des Riesenfisches aus der Urzeit hat sich zu einer Herzensangelegenheit und neuen Lebensaufgabe entwickelt. Im vorigen Jahr wurden 55 Jung-Störe in der Oste erstmals in Niedersachsen ausgewildert. Spricht er über das Projekt, leuchten die Augen auf.

Prof. Dr. Harald Rosenthal, Präsident der Weltgesellschaft zum Schutz der Störe, Dr. Jörn Geßner vom Berliner Leibnitz Institut und Ralf Gros vom NLWKN Lüneburg werden beim Stör-Gipfel als Referenten Position beziehen zur Wiederansiedlung des Kaviarfisches in der Oste.

Dass der Fluss als Habitat für den weiteren Besatz geeignet ist, daran gibt es für Wolfgang Schütz nichts zu rütteln. Immerhin habe sie ihre Qualitäten als besonderes Biotop schon beim Wiederbesatz von Lachs und Meerforelle bewiesen. Und erste Erhebungsergebnisse im vorigen Jahr stimmen ihn zuversichtlich, denn die Jungfische haben sich hier offensichtlich putzmunter gefühlt, wie ihre lange Verweildauer bewies. So soll es weitergehen mit dem Jungtierbesatz und dem weiteren Einsatz für eine bessere Fischdurchlässigkeit der Oste, für die sich die Angler einsetzen, damit Wanderfische wie Lachs und Stör leichter ihre Laichplätze erreichen.

Für den Europäischen Stör hofft Wolfgang Schütz auf eine ähnliche Erfolgsstory wie beim Lachs, mit dessen Besatz der Lamstedter Verein um Egon Boschen 1980 zielgerichtet begonnen hat. Heute sind zurückkehrende Oste-Lachse bereits über einen Meter lang. Sollte aber tatsächlich bei einem seiner raren Fischzüge mal ein Lachs an der Angel zappeln, macht der Naturfreund das, wozu sich alle Oste-Angler verpflichtet haben: Diese Delikatesse hat absolutes Teller-Tabu und wird lebend zurück ins Wasser gesetzt.

Zum Ostefisch-Lobbyisten wurde Wolfgang Schütz nicht geboren. Dazu hat ihn erst seine Wahlheimat und die Begegnung mit Mensch und Natur gemacht. Er stammt eigentlich aus dem Rheinland und kam erst als Marinesoldat nach Norddeutschland. Die Liebe wies ihm 1971 den Weg nach Osten, der Heimat seiner Frau. Auf Tendern und Schnellbooten war er in Nord- und Ostsee unter Bundesadler-Flagge im Einsatz, bevor der Mariner in Bremerhaven und später Stralsund von der Bundeswehr als Lehrer für Computertechnik und Mathematik eingesetzt wurde.

Über engagierte Elternarbeit - er war Kreiselternratsvorsitzender und Mitglied des Landeselternrates - wurde das Netz zu den Sportfischern geknüpft: der vor Kurzem verstorbene Ostener Schulleiter Wolfgang Matthies war lange Jahre Vorsitzender der Ostepachtgemeinschaft und shanghaite ihn für Vereinsarbeit und Verantwortung.

Nach dessen Ausscheiden aus dem Vorstand trat Wolfgang Schütz in die Fußstapfen und wurde 1994 als Ostener Angelvereinsvorsitzender auch Sprecher der gesamten Pachtgemeinschaft, ein historisch verbrieftes Recht, weil die Ostener Sportfischer den Hamburgern die Fangrechte auf dem Fluss wieder abgeluchst hatten.

Sein Augenmerk richtet der Vater von zwei mittlerweile erwachsenen Kindern besonders auf den Nachwuchs: "Jugendarbeit ist ganz, ganz wichtig", betont er denn auch und die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache, dass in Osten kein Grund zur Sorge besteht. "35 Jugendliche sind bei uns Mitglied", sagt Schütz nicht ohne Stolz, weiß aber auch: "Man muss auf die Kinder und auch auf die Eltern zugehen." Dass Angeln viel mehr bedeutet als fangfrischen Fisch genießen zu können, wird den Steppkes früh klargemacht: "Angeln ist gleichzeitig die Verpflichtung zum Naturschutz und wir führen die Kinder daran." Ob Artenschutzerhaltungsprogramm oder Wiederbesatz von Aalen, Forellen und neuerdings den Stören - die Jugend ist es schließlich, die in diese Gummistiefel hineinwachsen muss, um später selbst dafür Verantwortung zu tragen.

So bereitet dem pflichtbewussten Pensionär auch seine Tätigkeit als pädagogischer Mitarbeiter an der Wingster Grundschule außerordentlich viel Freude. Zweimal die Woche ist er dort im Dienst. Das sei zwar ein krasser Gegensatz zu dem, was er früher gemacht habe, "aber einfach herrlich", schwärmt er von seiner Arbeit mit den Lütten.

Müßiggang ist seine Sache ohnehin nicht. Wenn er mal wieder viel zu viel Zeit am PC gesessen hat um Vorträge über das Stör-Projekt auszuarbeiten oder lange mit Oste-Stör-Projektleiter Dr. Geßner vom Leibnitz Institut telefoniert hat, schätzt er aus Fithaltegründen die Spaziergänge mit seiner Frau sowie Radtouren.

Und manchmal macht er sich auch auf ans Wasser. Am Angeln fasziniert ihn die Ruhe in der Natur. Er selbst findet dazu aber kaum Gelegenheit. "Privat habe ich nur ganz selten Zeit", schmunzelt der Ober-Angler, versichert aber fix: "Bei den Gemeinschaftsveranstaltungen mache ich natürlich mit."

Von Wiebke Kramp

Ihre Stimme wird übermittelt

Preisgekrönt: Tauch-Oscar für den Kreidesee

HEMMOOR. Zum zweiten Mal in Folge ist die Tauchbasis Hemmoor auf der Düsseldorfer Bootsmesse mit dem Award "Beste Tauchbasis Heimische Gewässer" ausgezeichnet worden. Die Auszeichnung wird alljährlich von der Fachzeitschrift... mehr
 

Neue Fortbildungsreihe: VHS will Ehrenamt stärken

KREIS CUXHAVEN. Ob in Vereinen, Initiativen, in der Kirche oder Hilfs- und Rettungsdiensten - es gibt viele Möglichkeiten als Freiwilliger einem Ehrenamt nachzugehen. Um das freiwillige Engagement zu unterstützen, bietet die... mehr
 

metronom: Weiter Verbessern und dann durchstarten

KREIS CUXHAVEN. Nach den ersten 100 Tagen am Steuer einder der größten Privatbahnen Deutschlands formuliert die neue Geschäftsführung der metronom Eisenbahngesellschaft ehrgeizige Ziele. Langfristiges Wachstum und ein neues... mehr
 

Ort des Geschehens Gesamtkarte anzeigen

Karte vergrößern
Herr der Störe, oberster Angler und überzeugter Artenschützer: Wolfgang Schütz aus Osten. Foto: Kramp
Diesen Artikel mit drei Klicks bewerten

Sie können entweder einem Wort drei Stimmen geben oder Ihre drei Stimmen auf verschiedene Wörter verteilen.

  1. Artikel bewerten
  2. Ergebnis ansehen



Schreiben Sie einen Kommentar




CAPTCHA Bild zum Spamschutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*

* obligatorisches Feld