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2. Juli 2010

"Lasse Fantasie freien Lauf"

BÜLKAU. Benjamin Blümchen (Töröhhh...) kennt jedes Kind, ebenso Bibi Blocksberg oder Prinzessin Lillifee. Für neue Geschichten um den naseweisen Elefanten, die kesse Hexe oder den Kleinmädchentraum in Rosa lässt Ilona Waldera ihre Fantasie spielen.

Sie gehört zu einer handvoll Autoren, die diese Kindercomics und Hörgeschichten mit Leben erfüllen. Auftragsarbeiten, an denen Ilona Waldera zwar großen Spaß hat, sich aber innnerhalb eines vorgefertigten Rahmens bewegen muss.

Den kann sie bei ihrer eigenen Arbeit vergessen. Da lässt sie der Fantasie freien Lauf und erfindet so wunderbare Geschöpfe wie Kalle Kochbär, Ballettmaus Zazie und natürlich ihren erklärten Liebling Friedwart von Schnorch - ein abhängendes Faultier, das Geschichten erzählt, die immer wieder aufs Thema Schlafen kommen. "Ich gehe da nicht pädagogisch ran, aber natürlich gibt es eine Moral in jeder Geschichte." Liebe, Freundschaft, Betrug, Enttäuschung - alles Themen, die für Kinder ebenso wichtig sind, wie für Erwachsene. "Ich nehme Kinder ernst, sie sind für mich normale kleine Menschen."

Einen ganzen Karton voll Leserattenfutter hat sie in der Stube in ihrem Bülkauer Haus vor sich. Ungezählte Pixi-Bücher stammen aus ihrer Feder. "Es überrascht mich immer wieder, wenn ich vom Verlag Neuerscheinungen zugeschickt bekomme, sogar in exotischen Sprachen", lacht die Schriftstellerin und kramt zum Beweis "Eisbäreneis" auf Mazedonisch, Arabisch und Albanisch hervor. Die Autorin entzückt nicht nur Lütte - so wie neulich im Bovenmoorer Kindergarten - mit Geschichten, die so bunt sind wie das Leben. Mit Ratekrimis fürs Radio, Kurzgeschichten für Frauenzeitschriften oder Satirischem zieht die quirlige 53-Jährige auch große Leser in den Bann. Ein lokales Beispiel für ihren locker-fröhlichen Schreibstil findet sich in dem Buchprojekt des Landfrauenverbandes Land Hadeln-Cuxhaven. Ilona Waldera ist Landfrau aus Überzeugung und mischt in Bülkau und Umgebung tüchtig mit: "Was die Mädels machen, find' ich richtig klasse."

Voll und ganz sind sie und ihr aus Griechenland stammender Mann noch nicht aus dem hessischen Königstein nach Bülkau übergesiedelt. Nach und nach wird an dem alten Haus im Süderende gewerkelt, bis es dann endlich alleiniger Lebensmittelpunkt der Michalakis sein wird. "Wir mögen die Menschen hier", sagt Ilona Waldera, die den Mädchennamen als Künstlernamen weiter verwendet. Sie lacht vergnügt, weil sie sich an die "Horrorgeschichten" erinnert, die Freunde über die sturen, verschlossenen und merkwürdigen Norddeutschen erzählt haben. "Mit wackligen Knien und einer Flasche schönstem griechischem Cognac sind wir zu unseren Nachbarn gegangen", rekapituliert sie die gemischten Gefühle bei Vorstellungsbesuchen - "und die waren gleich so lieb und so nett."

Überhaupt schätzt sie die Hilfsbereitschaft und Offenheit im Dorf: "Jeder kennt hier jeden. Es herrscht ein so guter Zusammenhalt, den ich aus der Großstadt und auch aus Hessen so nicht kenne. Aber das Wichtigste ist: Hier wird keiner allein gelassen, alle kümmern sich." Sich nicht in die Dorfgemeinschaft zu integrieren - unvorstellbar für die Michalakis'. Ihr Mann sei sogar Mitglied im Gesangverein, wenn auch stilles, weil er nicht singen könne, verrät sie und beide gehören dem Schützenverein an. Wenn Dorfleben, dann aber auch richtig, ist die Devise des Ehepaars.

Ilona Waldera, in Oberschlesien geboren, wuchs am Niederrhein auf, volontierte nach der Schule bei der Tageszeitung "Rheinische Post", merkte aber fix, dass zwar Schreiben, aber nicht der faktenbasierende Journalismus ihre Sache ist. "Gemeinderatssitzungen fand ich, im Gegensatz zu meinen Kollegen, soooo langweilig", grinst die Schriftstellerin und fährt fort: "Ich wollte viel lieber meiner Fantasie freien Lauf lassen." Zuerst landete sie beim Schauspiel und hatte besonders viel Freude an Kinderstücken. So ganz das Wahre war aber auch das nicht - und als ein Verlag eine Redakteurin für eine neue Kinder-Zeitschrift suchte, griff sie zu, schrieb eigene kleine Geschichten und entdeckte: "Das ist mein Metier."

Doch so ganz von der Bühne lassen mag die attraktive Schriftstellerin nicht und gibt zu: "Ich habe ein Laster - das Chansonsingen." Dass sie ausgerechnet hier in dieser Gegend "den besten Klavier-Begleiter, den ich je hatte", gefunden hat, ist für sie ein ausgesprochener Glücksfall. Mit Kirchenmusiker Kai Rudl studiert sie gegenwärtig das Programm "Musik zur blauen Stunde" ein. Premiere hat der frech-frivole Liederabend im Herbst bei den Bülkauer Landfrauen.

Von Wiebke Kramp

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