Landtagswahl: Gerken bricht eine Lanze für Johannßen
OTTERNDORF. Als Kämmerer Hannovers war Stephan Weil (53) bereits Gast der Stadt Otterndorf, ebenso als Oberbürgermeister der Landeshauptstadt und nun zum dritten Mal als frisch gekürter Chef der Niedersachsen-SPD und Herausforderer von Ministerpräsident David McAllister (CDU).
Seinen Informationsbesuch hatte er Bürgermeister Claus Johannßen (SPD) auf dem Nominierungsparteitag versprochen - und so gehörte Otterndorf sehr zu dessen Freude zu den ersten Stationen auf der Ochsentour, sich in Niedersachsen bekannt zu machen. Ausgerechnet Johannßens Vorgänger sorgte für die Überraschung des Tages. Ehrenbürgermeister Hermann Gerken (FDP) brach während des Rathausempfanges eine Lanze und gab dem SPD-Landeschef Stephan Weil die deutliche Botschaft auf den Weg: "Claus Johannßen braucht einen ordentlichen Listenplatz. Setzen Sie sich bitte dafür ein." Unser Gebiet, so Gerkens deutliche Ansage, müsse gut im Landtag in Hannover vertreten werden und benötige daher "vernünftige Abgeordnete".
Weil - Selbsteinschätzung: "Ich bin gelernter Kommunalo und kein Zentralist" - möchte das Land mehr als Interessensvertreter für Kommunen sehen. Und so hörte er genau hin, als Kreisrätin Meike Jahns als Finanzfachbereichsleiterin die Lage ("über 40 Prozent der Bedarfszuweisungen des Landes gehen in den Landkreis Cuxhaven") und die Bemühungen schilderte, beispielsweise durch kommunale Zusammenschlüsse.
Samtgemeindebürgermeister Harald Zahrte warnte vor dem Ausbluten der ländlichen Strukturen. Otterndorf als wichtiger Dienstleistungsstandort sei beispielsweise auf Behördensitze oder das Krankenhaus angewiesen. Mehr als 800 hochwertige Arbeitsplätze hingen daran. Im Erhalt von Strukturen und Lebensqualität angesichts des demografischen Wandels sieht Weil "die schwierigste Herausforderung des Landes".
Eine gute Nachricht hatte er als Hannovers OB im Gepäck: "Das Sommercamp ist in Hannover unverändert sehr beliebt." Otterndorf brauche sich trotz Hannoveraner Einsparungen keine Sorgen machen: "Die Einrichtung bleibt Ihnen erhalten."
Von Wiebke Kramp
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