Konservativer SPD-Politiker
HECHTHAUSEN. Bodo Neumann ist Sozialdemokrat. Aber eigentlich ist er ein Konservativer. Sagt er selbst, aber meint das weniger parteipolitisch. Vielmehr geht es ums Grundsätzliche. So kämpft er zum Beispiel vehement für den Erhalt der Selbstständigkeit der Gemeinde Hechthausen und gegen die Einheitsgemeinde. "Warum sollte man daran rütteln, wenn es doch gut läuft?", fragt er und gibt damit gleichzeitig auch die Antwort. Neumann hat als Bürgermeister 20 Jahre maßgeblich dazu beigetragen, den Kurs der Gemeinde zu bestimmen. In wenigen Monaten ist Schluss. Er gehe in den "politischen Ruhestand", sagt er. "Und das ganz beruhigt", fügt er hinzu.
Der 65-Jährige sitzt an seinem Lieblingsplatz - auf der Terrasse im Garten. Neben der Tasse Kaffee liegt die NEZ. Nicht zur Dekoration für das Pressegespräch, sondern als tägliche Informationsquelle. Während sich andere neben der Zeitungslektüre bereits morgens virtuell im Internet tummeln oder die E-Mails per Blackberry checken, kommt bei Neumann eine solche Hektik nicht auf. Er hat keinen Computer und ist auch telefonisch nicht ständig erreichbar: "Natürlich habe ich auch ein Handy. Das liegt meistens im Wagen - für den Notfall. Und die Nummer kennt auch nur meine Frau." Wer daraus schlussfolgert, dass Neumann aus dieser Haltung heraus auch politisch agiert, irrt sich. Erst im vergangenen Jahr hat er die neue Homepage der Gemeinde offiziell per Mausklick gestartet. Das Gemeindebüro soll eine leistungsfähigere Datenleitung erhalten, um zum Beispiel auch vor Ort Personalausweise beantragen zu können. Beim Bürgerforum in Kleinwörden unterstrich er, dass die Gemeinde eine Initiative für leistungsfähigere Internetverbindungen unterstützt (die NEZ berichtete).
Als Neumann 1991 an die Spitze des Rates rückte und seitdem mit der SPD-Fraktion in vier Wahlperioden immer die Mehrheit stellte, beschäftigten ihn andere Probleme und Herausforderungen als das Internet und seine Möglichkeiten und Bedeutung für die Bevölkerung und Unternehmen in Hechthausen. Der Kanalbau, die Gestaltung der Ortsmitte, der Kauf der "Ostekrone" und die daraus resultierenden Folgen, die Neuaufstellung und -ausrichtung bei der Kinderbetreuung und nicht zuletzt die Aufstellung von Bebauungsplänen - an Themen mangelte es 1991 nicht.
Neumann nimmt für sich und sein SPD-Team in Anspruch, einen "neuen Politikstil" eingeführt zu haben. Es sei nicht mehr darum gegangen, nur tagespolitisch zu agieren, sondern langfristig zu planen. Dazu habe auch das Gemeindeentwicklungsprogramm gezählt, in dem Ziele formuliert wurden, die Schritt für Schritt umgesetzt werden sollten. Der Bürgermeister ist mit dem Ergebnis zufrieden: Der Plan sei umgesetzt und die meisten Ziele erreicht worden. Zeit für neue Weichenstellungen: Gemeinsam mit der Bevölkerung erarbeitete und verabschiedete der Rat im vergangenen Jahr das neue Entwicklungskonzept.
Gerade die Einbindung der Bürger, aber auch die Interessenvertretung der Bevölkerung durch einen Gemeinderat vor Ort sind für Neumann notwendige Komponenten, damit eine Gemeinde intakt bleiben und zukunftsgerichtet agieren kann: "Es ist besser, vor Ort Entscheidungen zu treffen und sie auch gegenüber dem Bürger vertreten zu können und zu müssen, als fremd bestimmt zu sein."
Von Fremdbestimmung hält Neumann ohnehin nicht viel. Er hat seinen Rückzug aus der Politik zur Kommunalwahl 2011 bereits vor Jahren angekündigt. Dabei bleibt es: Sein bisheriger Stellvertreter Jan Tiedemann führt die SPD-Liste an. Neumann will ab Herbst höchstens noch "beratend" tätig sein. Doch eines wolle er auf keinen Fall: "Öffentliche Kommentare in der Zeitung abgeben." Vielleicht wird er die ja aber twittern, facebooken oder auf SPD-Internetseiten hinterlassen. Aber nein, das ist eigentlich nicht zu erwarten.
Nicht bei Bodo Neumann...
Von Egbert Schröder
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