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26. Februar 2010

Hier wird das Kriegsbeil begraben

HEMMOOR. Klaus Huisinga sitzt an seinem Arbeitsplatz. Der Blick schweift durch die großen Fenster auf den verschneiten Garten, in dem ein Eichhörnchen herumtobt. Huisingas Arbeitsplatz ist sein Wohnzimmer. Hier, in der gemütlichen Umgebung seines Hauses, hält er Schiedsverhandlungen ab.

Seit zehn Jahren ist Klaus Huisinga der vom Samtgemeinderat bestellte Schiedsmann in Hemmoor. Huisinga: "Das ist der Vorteil des Schiedsverfahrens: Es ist schnell, es ist günstig und es findet in einem geschützten Raum statt, der Vertraulichkeit gewährleistet. Denn Schiedspersonen sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Hier können die Parteien frei von der Leber weg reden." Ein "hoher Wert", der auch von Gerichten anerkannt werde.

Anders als in einem ordentlichen Gerichtsverfahren ist die Atmosphäre bei der Schiedsperson entspannt und es geht nicht um Rechtsfindung strikt nach Gesetzbuch, sondern um den Ausgleich zwischen zwei streitenden Parteien. Ziel ist es eine für beide Seiten akzeptable Vereinbarung zu treffen. Huisinga: "Das Schiedsamt ist kein Gericht. Wir vermitteln nur und sorgen für die gütliche Beilegung von Streitigkeiten zwischen Bürgern. Alles ist freiwillig. Unser einziges Zwangsmittel ist ein Ordnungsgeld, wenn eine Partei nicht erscheint. Ist eine Vereinbarung aber verbindlich getroffen, ist sie auch vollstreckbar wie ein Titel beim Amtsgericht."

Klaus Huisinga kennt sich im Schiedswesen ebenso gut aus wie in der Justiz. Immerhin war er selber viele Jahre Richter. Der gebürtige Hamburger - der Nachname Huisinga geht auf seinen Urgroßvater, einen holländischen Seemann, zurück - war seit Beginn der 60er-Jahre an vielen Stellen im Landgerichtsbezirk Stade tätig. So auch am ehemaligen Gericht in Osten. Anschließend kehrte Huisinga als Direktor des Amtsgerichts nach Stade zurück, bevor er nach der Wiedervereinigung seine Berufserfahrung am Kreisgericht in Eisleben (Sachsen-Anhalt) weitergab.

"Ich hatte nach der Pensionierung zuerst Bammel vor dem schwarzen Loch. Aber das Vakuum hat sich nach kurzer Zeit gefüllt." Klaus Huisinga übernahm Ehrenämter: Bei der Verkehrswacht, als Kreisvorsitzender der Senioren-Union und er übernahm das Schiedsamt. Außerdem hält er Vorträge über das Betreuungsrecht und die Patientenverfügung sowie über Testamente. "Meine Zeit ist ausgefüllt, aber es ist längst nicht so anstrengend wie ein Beruf. Ich kann mir alles gut einteilen." Als Schiedsmann ist Huisinga zugleich stellvertretender Vorsitzender der Landesvereinigung Niedersachsen im Bund Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen sowie Vorsitzender der Vereinigung für den Landgerichtsbezirk Stade. In dieser Funktion gehört er auch dem Schulungsteam für Schiedspersonen an.

Rund sechs Fälle betreut Klaus Huisinga pro Jahr, die Hälfte davon sind Streitigkeiten zwischen "Gartennachbarn". Aber auch minderschwere Fälle aus dem Strafrecht wie Beleidigungen sowie zivilrechtliche Angelegenheiten wie Mietstreitigkeiten gehören dazu. "Das Schiedsamt ist in der Bevölkerung noch nicht so bekannt", sagt Huisinga, obgleich diese Institution eine 185-jährige Tradition hat. Über zwei Drittel der Verhandlungen des Hemmoorer Schiedsmanns verlaufen erfolgreich mit einer Einigung. "Es ist ein interessantes Amt. Man hat viele Kontakte und meistens Erfolgserlebnisse." Entscheidend für den Erfolg eines Schiedsverfahrens sei, dass der Vermittler nicht selbst Partei ergreife. Es gehe um die Herstellung des nachbarschaftlichen Friedens durch Lebenserfahrung und gesunden Menschenverstand. Denn: "Schiedspersonen sind in der Regel keine Juristen." Sie sollen den Streitparteien dabei helfen sich zu einigen. "Wer sich zu sehr in den Vordergrund spielt, ist nicht als Schiedsperson geeignet. Man muss sich selbst schon zurücknehmen können."

Von Ulrich Rohde

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