Ganz nah dran an ihren Patienten
KREIS CUXHAVEN. Die rechte Hand von Helga Lamb kribbelt etwas. Die 83-Jährige ist vor einiger Zeit gestürzt und hat sich dabei den Unterarm gebrochen. Nach ihrem Krankenhausaufenthalt wurde sie zunächst von ihrer Tochter betreut. Aber seit einiger Zeit lebt sie wieder allein in ihrem schmucken Häuschen in Neuhaus und bewältigt trotz einiger Einschränkungen mit viel Energie eigenständig ihren Alltag.
Helga Lamb ist keine Patientin, die wegen jedem Wehwehchen zum Arzt geht. Auf die Besuche von Betreuungsschwester Friedegund Ohlendorf verzichtet sie trotzdem ungern. Rund alle sechs Wochen schaut die erfahrene Schwester nach ihr.
Ihre Hausbesuche bei Helga Lamb dienen der gesundheitlichen Stabilisierung nach dem Krankenhausaufenthalt, einigen Routineuntersuchungen wie der Blutdruckmessung, vor allem aber auch zur psychosozialen Betreuung, oder auch der "seelisch-moralischen Unterstützung" der alleinstehenden Seniorin, so Friedegund Ohlendorf. Die Betreuungsschwester kann sich viel Zeit für ihre Patientin nehmen, auch mal ein privates Wort sprechen oder in Fragen der Pflege und Hilfsmittel beraten.
Helga Lamb ist eine von rund 80 Patientinnen und Patienten, die Friedegund Ohlendorf gegenwärtig in der Osteregion betreut und damit 15 Allgemeinmediziner durch ihren ambulanten Dienst entlastet. Die Pflegepädagogin aus Balje ist das Aushängeschild eines Pilotprojektes, das die AOK Niedersachsen gemeinsam mit der Allgemeinmedizinerin Christiane Klünder von der Neuhäuser Gemeinschaftspraxis am Bürgerpark ins Leben gerufen hat.
Ziel des von der Universität Greifswald wissenschaftlich begleiteten Pilotprojektes ist es, Hausärzte zu entlasten, eine stetige Betreuung und Beobachtung von chronisch kranken Menschen in deren häuslichem Umfeld zu ermöglichen und gleichzeitig eine gerontopsychiatrische Versorgung der überwiegend betagten Patienten nach dem Grundsatz "ambulant vor stationär" zu gewährleisten. Ein neuer Schwerpunkt für die Schwester ist die Palliativversorgung, die Behandlung von Patienten mit einer fortgeschrittenen Erkrankung. Hier gibt es, anders als bei den anderen von der Schwester betreuten Fällen, keine Altersbeschränkung.
Die Verlängerung des Pilotprojektes und des Vertrages mit Friedegund Ohlendorf bis Ende 2011 ist der beste Beweis für den Erfolg des dahinter stehenden Konzepts einer integrierten Versorgung von Patienten in ländlichen Gebieten. Die Betreuungsschwester ist auch Mittlerin zwischen Arzt und Patient, hält zudem Kontakt zu psychiatrischen Praxen und Neurologen aber auch zu ambulanten Pflegediensten und dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherung.
Für die Betreuungsschwester ist das, was sie jetzt an der Oste tut, eigentlich nichts Neues. "Ich bin mit dem System vertraut", sagt sie, denn sie hat bereits als Gemeindeschwester gearbeitet. Friedegund Ohlendorf stammt aus Bad Freienwalde an der Oder.
"Die AOK Niedersachsen ist in diesem Bereich sehr weit und bereit etwas zu probieren", sagt Friedegund Ohlendorf. Die Bereitschaft der Gesundheitskasse, das Pilotprojekt zu fördern, rührt vor allem daher, weil auf dem Land immer mehr Hausärzte fehlen. Hunderte Praxen in Niedersachsen sind bereits verwaist, Tendenz steigend. Mit der Betreuungsschwester soll sich das Arbeitsumfeld der Allgemeinmediziner verbessern. Und es sollen auch weitere Anreize für junge Ärzte gegeben werden, sich wieder vermehrt auf dem Land niederzulassen.
Ob die Einrichtung der Betreuungsschwester auch nach der Pilotphase und der wissenschaftlichen Auswertung fortgeführt und möglicherweise auf den gesamten Bereich der AOK Niedersachsen oder auch auf andere Krankenkassen ausgedehnt wird, ist derzeit noch ungewiss und letztlich auch eine Frage der Finanzierung.
Für die 79-jährige Christel Opitz aus Geversdorf wäre es "wunderbar", wenn es weiterginge. "Die Besuche geben mir Sicherheit und ich muss nicht wegen jeder Kleinigkeit zum Arzt. Hoffentlich bleibt das so. Wir sind ein eingespieltes Team", sagt die Parkinson-Patientin - und sie lächelt ihrer Betreuungsschwester zu.
Von Ulrich Rohde
Preisgekrönt: Tauch-Oscar für den Kreidesee
HEMMOOR. Zum zweiten Mal in Folge ist die Tauchbasis Hemmoor auf der Düsseldorfer Bootsmesse mit dem Award "Beste Tauchbasis Heimische Gewässer" ausgezeichnet worden. Die Auszeichnung wird alljährlich von der Fachzeitschrift... mehr
Neue Fortbildungsreihe: VHS will Ehrenamt stärken
KREIS CUXHAVEN. Ob in Vereinen, Initiativen, in der Kirche oder Hilfs- und Rettungsdiensten - es gibt viele Möglichkeiten als Freiwilliger einem Ehrenamt nachzugehen. Um das freiwillige Engagement zu unterstützen, bietet die... mehr
metronom: Weiter Verbessern und dann durchstarten
KREIS CUXHAVEN. Nach den ersten 100 Tagen am Steuer einder der größten Privatbahnen Deutschlands formuliert die neue Geschäftsführung der metronom Eisenbahngesellschaft ehrgeizige Ziele. Langfristiges Wachstum und ein neues... mehr


Bild vergrößern
















