Erst einmal Klinken putzen...
Lamstedt. Es herrscht Ausnahmezustand. Bunt geschmückte Trucks fahren in Schrittgeschwindigkeit durch die Straßen, laute Musik dröhnt aus den Boxen, junge Leute in schrillen Outfits tanzen und singen und animieren die Zuschauer zum Mitmachen. Was für Hamburg der Schlager-Move, ist für Lamstedt der Bördemove. Doch bis zur ausgelassenen Feier am Sonnabend steckt für die drei Organisatoren jede Menge Arbeit dahinter.
Michael Ketelhohn, Andreas Weber und Michael Tiedemann saßen am Silvesterabend 2004 zusammen. Sprachen über Gott und die Welt. Bis ihnen diese eine Idee in den Kopf schoss. "Wie wäre es mit einer kleinen Parade in Lamstedt?" Die Zielgruppe sollten vor allem junge Leute sein. Das Interesse der drei war geweckt. Nun ging alles ganz schnell. Die Namenssuche stellte kein Problem dar. Und auch mit der Gemeinde konnte man sich zügig über eine Umsetzung der Pläne einigen. Schon im darauffolgenden Sommer 2005 fand der erste Bördemove in Lamstedt statt - im Rahmen des Bartholomäusmarktes. "Sowohl der Markt als auch der Move profitieren von dieser Konstellation", sagte Weber. Eine Testveranstaltung, die erstaunlich gut ankam unter den Leuten. Trotz der anfänglichen Skepsis entwickelte sich der Bördemove zu einem einzigartigen Ereignis in der Umgebung.
Heute, über fünf Jahre später, ist der Bördemove aus dem Kalender nicht mehr wegzudenken. Er ist reifer geworden und mit ihm sind auch seine Organisatoren gewachsen. Andreas Weber ist mittlerweile 39 Jahre alt. Durch sein Engagement bei Zeltfeten.de (einem Eventguide im Internet) hatte er schon vorher viel Erfahrungen gesammelt und Kontakte geknüpft, die er in die Organisation des Bördemoves einfließen lassen konnte.
Und vor allem Beziehungen zu den Leuten in der Börde und umzu haben sich als wichtig herausgestellt. "Zuerst muss man viel Klinken putzen und nachfragen", sagt Michael Ketelhohn. Mittlerweile sind die drei jedoch überall bekannt. Sei es bei der Sponsorensuche oder bei der Beschaffung der Trucks oder Auflieger. Und egal, was kommt, Ketelhohn, Weber und Tiedemann haben die Ruhe weg. "Man wird gelassener in den Jahren", so Michael Ketelhohn.
Er und Andreas Weber stellen auch in diesem Jahr wieder jeweils einen eigenen Wagen und fahren jeweils auf diesen mit. Ketelhohn mit seinen Kollegen vom Karl Ranseier Gedächtnis Club und Weber für Zeltfeten.de. Beide haben sich natürlich auch für den diesjährigen Move etwas Besonderes einfallen lassen. "Unser Motto lautet: An der Nordseeküste", so Ketelhohn. Einzelheiten wollte er aber noch nicht verraten. Das sollen die Leute am Sonnabend selber sehen. Die Zeltfeten-Truppe wird mit einem fahrbaren "Partyknast" den Move bereichern.
Bislang haben sich 14 Wagen offiziell angemeldet. Und alle wollen den originellsten und schrillsten Auftritt am Sonnabend, ab 18 Uhr, hinlegen. Als Anreiz werden Geldpreise für die fünf besten Wagen ausgelobt. "Wir sind gespannt, was sich die Teilnehmer in diesem Jahr einfallen lassen", überlegt Michael Tiedemann. Er ist sozusagen der menschgewordene Draht zwischen Gemeinde und Bördemove. Der 29-Jährige arbeitet in der Verwaltung der Samtgemeinde Börde Lamstedt, ist Marktmeister des Bartholomäusmarktes und organisiert mit Andreas Weber und Michael Ketelhohn den Bördemove.
Eines unterscheidet die drei jedoch. Während Michael Ketelhohn und Andreas Weber aktiv zur "Mitgröl- und Partyfraktion" gehören, hält sich Michael Tiedemann eher neutral zurück und bewertet mit einem Komitee aus Bürgermeister und Samtgemeindebürgermeister die vielen Wagen. Ein bisschen Wehmut macht sich da aber auch breit. "Ich würd auch mal gern mitfahren", so Tiedemann.
Rund sechs Kilometer legt der Tross jedes Jahr im Schritttempo zurück. Nach zweieinhalb Stunden Fahrt durch die Straßen Lamstedts geht es dann geschlossen ins Festzelt. Dann ist auch für die drei Orga-Jungs der größte Stress vorbei. Der Zustand hält jedoch nicht lange. Schon frühzeitig beginnen die Vorbereitungen für das kommende Jahr.
Und Ketelhohn und Co. gucken sogar schon ein bisschen weiter voraus. Im Jahr 2014 soll der zehnte Bördemove in Lamstedt stattfinden. "Da wollen wir mal einen riesigen Truck besorgen, so wie auf dem Schlager-Move in Hamburg", verrät Andreas Weber. Es gibt nur ein Problem: "Der passt nicht unter den Ampeln durch."
Von Jan Unruh
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