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20. Februar 2010

Erdöl vor Cuxhaven

WINGST. Energiepolitische Perspektiven aus der Sicht eines der größten Energiekonzerne Europas wurden den mehr als 120 Gästen des 8. Hadler Hochzeitssuppenessens des Rotary-Clubs Otterndorf-Land Hadeln eröffnet. Alljährlich laden die Rotarier Mitglieder der Service Clubs aus dem gesamten Elbe-Weser-Raum zu dieser Veranstaltung ins Gasthaus Butt, Wingst-Zollbaum, ein.

Der Präsident des Hadler Clubs, Klaus Lohmann, Otterndorf, präsentierte Lutz-Michael Liebau als Gastredner. Liebau ist seit 2002 Finanzvorstand der Hamburger Tochter des RWE-Konzerns, der RWE Dea AG, weltweit verantwortlich für Exploration und Produktion von Erdöl und Erdgas.

Liebau entwarf drei Kernanforderungen für eine nachhaltige Energieversorgung. Zum einen ist da der Umweltschutz mit Schwerpunkt auf die Reduzierung der CO2-Emissionen, zum zweiten der Aspekt der Versorgungssicherheit und zum dritten die Wirtschaftlichkeit. Als Stromerzeuger Nr. 1 in Europa und durch den Braunkohletagebau auch Europas größter CO2-Produzent - "darauf sind wir nicht stolz" - will der Energieriese zunehmend in den Bereich erneuerbarer Energien einsteigen. Insbesondere die Offshore-Windenergie erscheint lukrativ und biete das größte Potenzial, so Liebau. Deshalb plant die RWE-Tochter Innogy unter anderem zwei große Windparks in der Deutschen Bucht.

Schiffbruch hat RWE dagegen mit dem Plan erlitten, die CCS-Technologie in Deutschland hoffähig zu machen. Die Abscheidung und Speicherung von CO2 in unterirdischen Speicherstätten finde derzeit keine Akzeptanz, bedauert Liebau. Dennoch verspreche diese Übergangstechnologie für die nächsten 60 Jahre ein Einsparungspotenzial von rund 55 Prozent des CO2-Ausstoßes in Deutschland. "Wir verschlafen die Zukunft", befürchtet der RWE-Manager.

Trotz aller notwendigen Bemühungen, den Anteil erneuerbarer Energien auszuweiten werde es auch weiter nötig sein fossile Rohstoffe einzusetzen, um die Versorgung einer wachsenden Weltbevölkerung zu sichern. Die Bestände an Öl und Gas seien endlich, hätten sich aber durch neue Vorkommen erhöht. Die Frage sei, wann die Vorräte zur Neige gehen. Übrig bleibe trotz aller Bemühungen um erneuerbare Energien aus RWE-Sicht die Erkenntnis, dass Kraftwerke auch künftig die Grundlast zur Versorgungssicherheit bei der Stromversorgung erzeugen müssten und dass der entscheidende Ansatz zur Verminderung des Energieverbrauch die Vermeidung sei. Es sei jedoch zu erwarten, dass der weltweite Energiebedarf bis 2030 um die Hälfte steigen werde.

Um die künftige Versorgung mit Rohstoffen zu sichern ist RWE beispielsweise am Konsortium der Nabucco-Pipeline beteiligt, die Erdgas vom Kaspischen Meer über die Türkei und den Balkan nach Europa befördern soll, "damit wir unabhängiger von Russland werden", so Liebau.

Aber auch heimische Ressourcen lässt der Konzern nicht links liegen. So betreibt RWE Dea seit gut 20 Jahren - "unfallfrei", so Liebau - die Bohrinsel Mittelplate. Im Ölfeld mitten Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer lagern etwa 65 Prozent der deutschen Erdölvorkommen, die ein Prozent der Versorgung sichern. Sie werden seit einigen Jahren auch von Land aus erschlossen. Als Landbasis der Förderplattform dient Cuxhaven.

Westlich Cuxhavens im ökologisch hochsensiblen Gebiet des Weltnaturerbes Wattenmeer liegt das Gebiet "Westertill 1". Hier hat RWE weitere Erdölvorkommen geortet. Liebau: "Wir werden bohren." Das Feld soll von Land aus per Richtbohrungen erschlossen werden. Rund 100 Millionen Euro will der Energie-Konzern in das neue Projekt investieren.

Von Ulrich Rohde

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Lutz-Michael Liebau, Finanzvorstand der RWE Dea AG, gab einen Überblick über die Perspektiven der Energieerzeugung.
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Leserkommentare

the power of wind, 4. März 2010, 15:48 Uhr

bezahlbarer Strom

Ist dieser Strom wirklich bezahlbar und wenn ja, wie lange ist er noch bezahlbar? Wenn wir uns die Atommüll und CO2 Sorgen und vorallem die undenkbar hohen Risiken, die damit verbunden sind vor Augen halten, dann ist dieser Strom in der Realität gesehen unbezahlbar.
Butenkehdinger,20. Februar 2010, 14:32 Uhr

Strom, Wind und Zeitgeist

Warum will der Stromerzeuger Nr. 1 in Europa künftig zunehmend in den Bereich erneuerbarer Energien einsteigen? Um langfristig Versorgungssicherheit zu gewährleisten oder zu verbessern? Um Strom wirtschaftlicher, also am Ende für den Verbraucher günstiger zu produzieren?
Selbstverständlich nicht. Lukrativ muß der Weg für den Konzern sein, gewinnbringend, einträglich.

Diese Voraussetzung ist dank des EEG gegeben. Zwangsweise werden alle Stromkunden auch die zusätzlichen Mehrkosten durch den Offshore-Strom bezahlen; ohne den geringsten zusätzlichen Nutzen. Es ist ein stetig wachsendes Ärgernis.

Das Bedauern des Managers über den CO2-Ausstoß ist allein dem Zeitgeist geschuldet. Mit Kohle- und Kernkraftwerken produziert der Konzern zuverlässig rund um die Uhr bezahlbaren Strom, ohne den unsere Gesellschaft überhaupt nicht funktionieren könnte. Darauf darf das Management doch stolz sein. Die sogenannten Erneuerbaren leisten dazu jetzt und künftig keinen Beitrag. Sie sind nur lukrativ.
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