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20. Juni 2012

Moorausmoorer gründen Genossenschaft Ein Dorf wird Netzbetreiber

MOORAUSMOOR. Die Energiewende in Moorausmoor beginnt im Untergrund. Überall im Ort wird zurzeit gegraben, gebohrt und gebaut: Arbeiter verlegen fast vier Kilometer Leitungen – das wird das Fernwärmenetz des Ortes. Der Clou daran: Es gehört den Einwohnern selbst. Sie haben dazu eine Genossenschaft gegründet und innerhalb von wenigen Monaten das Projekt bis zur Umsetzung vorangetrieben. In einigen Wochen geht das Netz in Betrieb.

Lokale Fernwärmenetze im Umfeld von Biogasanlagen sind zwar nicht üblich – aber auch keine Seltenheit. In der Regel baut und betreibt der Inhaber der Biogasanlage ein solches System. Anders in Moorausmoor: Hier gibt es die Abwärme aus der Biogasanlage des Landwirts Harry Wesch fast zum Nulltarif – der Bau des Netzes und dessen Betrieb sind Sache einer Genossenschaft.

Wesch wollte die Abwärme seiner Biogasanlage, die aus Mais, Gülle und Mist Strom erzeugt, sinnvoll nutzen. Für ihn hat die Lösung zwei große Vorteile: Mit dem Genossenschaftsmodell muss er sich nicht ums Netz kümmern – und er erhöht zugleich die Akzeptanz für den Maisanbau und die Biogasanlage im Ort. Denn in Zukunft hängt ein warmes Zuhause für viele Haushalte der Gemeinde von einer funktionierenden Biogasanlage ab. Aber auch die Moorausmoorer haben etwas davon: Für sie wird das Heizen in Zukunft deutlich preiswerter.

Ausgedacht hat sich dieses Modell Michael Goralski, ein Unternehmensberater aus Bochum, der sich mit seinem Büro auf lokale Wärmenetze spezialisiert hat. Auf einer Reihe von Einwohnerversammlungen fanden sich engagierte Mitstreiter, die sich mit großem Einsatz in der Genossenschaft engagieren.

Die Moorausmoorer räumten alle Hindernisse aus dem Weg – und konnten letztlich auch die Finanzierung der Investitionssumme von rund 600 000 Euro stemmen. Wenn das neue Netz voraussichtlich in einigen Wochen in Betrieb geht, werden 32 Ein- und Mehrfamilienhäuser sowie die neue, noch im Bau befindliche Feuerwache von der Biogasanlage aus mit Wärme versorgt. Um Zeiten mit geringer Wärme-Nachfrage zu überbrücken, ist auch der Anschluss einer mobilen Holztrocknungsanlage vorgesehen.

Seit dem 7. Mai wird in Moorausmoor gebaut.  Parallel zum Netzbau werden auch die Installationen in den Häusern angepasst – die bisherigen Heizungen weichen neuen Wärmetauschern.

Viele Moorausmoorer sind Genossenschaftsmitglieder. Das Geld, das sie in Zukunft für ihre Heizung zahlen, fließt nicht an einen großen Versorger, sondern in die Abbezahlung ihres eigenen Wärmenetzes. In zwölf Jahren sollen die Kredite abgelöst sein – dann gehört ihnen ihr Netz selbst.

Von Roland Ahrendt

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