Ein Züchter von altem Schrot und Korn
WINGST. "Den Augenblick habe ich genossen, als Lissaro die Silbermedaille bei den Weltmeisterschaften der Jungen Dressurpferde in Verden verliehen bekam", erzählt Jürgen Dittmer (60). "Als Pferdezüchter muss man einfach ganz viel Durchhaltevermögen an den Tag legen und so ein Erfolg entschädigt natürlich für vieles."
Auf den sechsjährigen Hannoveraner Lissaro ist der 60-jährige Landwirt aus Neuenkirchen besonders stolz. Denn das Ziel eines jeden Pferdezüchters ist es, einmal ein Spitzenpferd anzupaaren - Jürgen Dittmer ist es mit Lissaro eindrucksvoll gelungen, ein absolutes Ausnahmepferd zu züchten. "Lissaro ist einfach fantastisch, er ist immer gelassen und total cool", freut sich seine Reiterin Claudia Rüscher, dass sie so ein Toppferd überhaupt reiten darf und den Fuchshengst in Verden eindrucksvoll vorgestellt hat.
Wie sein Vater Lissabon v. Lordanos/Sion ist Lissaro mit einer Doppelveranlagung ausgestattet. Auf seiner Körung 2007 in Verden wurde er zum letzten Prämienhengst der Hannoveranerzucht gekürt und glänzte dabei mit seinem unbegrenzten Springvermögen, Bascule und Dynamik. Mit seiner Bewegungselastizität bringt er auch jeden Dressurreiter ins Schwärmen. Als Bundeschampion bei den dreijährigen Reitpferden erhielt er für seinen Schritt die Note 10 für herausragend. "Mit Matcho, Garibaldi II, Diskant und Servus hat Lissaro althannoversche Gene im Blut, die für Leistung und Rittigkeit gleichermaßen stehen", gibt Dittmer Einblick in die Abstammung des hochbegabten Hengstes.
Jürgen Dittmer und seine Frau Jutta haben immer großen Wert auf einen über Generationen gepflegten Stutenstamm gelegt. Auch der erfolgreiche Hengst Maurice v. Matcho/Garibaldi II, Onkel von Lissaro, war Körungssieger und stammt aus der Zucht der Familie Dittmer. "Viele Züchter waren in den letzten Jahren gezwungen ihre kostbaren Stuten zu verkaufen. Mir hat mal ein älterer Züchter erzählt, dass die Stuten 70 Prozent Anteil an der Vererbung, die Hengste dagegen nur 30 Prozent haben", erklärt Dittmer, "zuerst wollte ich die Auffassung nicht glauben, aber meine langjährige Laufbahn als Pferdezüchter hat gezeigt, dass der Mann wohl recht hatte." Der Mutterstamm aus dem Hause Dittmer in Neuenkirchen ist über alle Zweifel erhaben. Bisher präsentieren sich Lissaros Nachkommen erfolgreich in Spring- und Dressurprüfungen der schweren Klasse.
Ganz gegen den Trend hat Jürgen Dittmer in diesem Jahr sechs Stuten decken lassen, darunter auch die vierjährige Vollschwester von Lissaro, die logischerweise auf den Namen Lissara hört. Von dem 21-jährigen Hannoveraner Hengst Alabaster v. Akzent/Wendekreis, der in der Deckstation des Celler Landgestüts in Ihlienworth steht, hofft Jürgen Dittmer ein Spitzenfohlen zu erhalten. Alabaster gehört zum altbewährten Hannoveraner Blut in der Dressurlinie. Auch von dem vielversprechenden Hengst Fürst Nymphenburg v. Florencio verspricht sich Dittmer, ein schickes Fohlen angepaart zu haben. "Die Hengste müssen über einen einzigartigen Schritt verfügen, ansonsten setze ich sie nicht mehr in meiner Zucht ein," nennt Jürgen Dittmer das wichtigste Kriterium seiner Hannoveranerzucht. Dittmer ist dabei mit "Leib und Seele" Landwirt und freut sich trotzdem, "wenn zur Dobrock-Zeit kein Mähdrescherwetter herrscht", denn dann kann er die vier Tage beruhigt auf dem Turnierplatz in der Wingst verbringen, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, eventuell seinen Betrieb vernachlässigt zu haben.
Begleitet wird er dabei von seinem 23-jährigen Sohn Jan, der mittlerweile die Leidenschaft für Pferdezucht mit dem Vater teilt. Lange Zeit wollte beim jungen Dittmer nicht so recht das Interesse an den Pferden aufkommen. "Bis ich ihm klar gemacht habe, dass bei Reitturnieren nicht nur Pferde anzutreffen sind", erzählt Jürgen Dittmer schmunzelnd. Mittlerweile reitet Jan Dittmer selber und coacht beim Dobrock-Turnier seine Freundin vor den Springprüfungen.
So wird Jan Dittmer es wohl auch schaffen, in die großen Fußstapfen seines Vaters in der Pferdezucht zu treten.
Von Jürgen Stroscher
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