Dr. Jan Bühner: Der morbide Charme Cuxhavens
CUXHAVEN. Sein Lieblingsplatz in Cuxhaven? Dr. Jan Bühner muss nicht überlegen: "Der Slippen." Als Kind ist er dort mehrmals täglich vorbeigelaufen. Studium und Beruf führten ihn weg aus der Heimatstadt, als Rentner ist er seit eineinhalb Jahren wieder zurück.
Im Jahre 1948 wurde Jan Bühner in Cuxhaven geboren. Das Elternhaus stand in der Heinrichstraße, seine Eltern betrieben den 1922 gegründeten Großhandel "Gerdts und Bühner" in der Schillerstraße, Ecke Grüner Weg. Sie belieferten Tante-Emma-Läden in Cuxhaven und Umzu, das Geschäft hatte bis 1978 Bestand.
Geschäft und Familie sind vielen Cuxhavenern noch bekannt, sodass Dr. Jan Bühner immer wieder darauf angesprochen wird. Auch auf den großelterlichen Schiffsausrüster-Betrieb "Robert Schmoldt" neben der Klappbrücke.
Und dieser Weg war es auch, der in jungen Jahren immer am Slippen vorbeiführte - in einem Viertel Cuxhavens, das schon früher von der Familie geprägt wurde. Die Urgroßeltern namens Heyden hatten in der Fahrenholzstraße ein Geschäft, das heute zumindest kurios anmutet: "Chirurg und Barbier".
Doch Jan Bühner selbst schlug nach dem 1966 bestandenen Abitur eine ganz andere Laufbahn als Eltern, Groß- und Urgroßeltern ein und verließ das Viertel, das er heute noch so schätzt. In Hamburg und Tübingen studierte er evangelische Theologie, promovierte schließlich in Tübingen im Fach "Neues Testament". In diesem Fach war Dr. theol. Jan Bühner dann bis 1989 Dozent an der Universität Tübingen.
In dem Jahr wechselte er dann von der Theorie in die Praxis, ging als Gemeindepfarrer in eine Gemeinde im Schwarzwald, wurde schließlich Superintendent in Ravensburg. Noch einmal wechselte Bühner - als Generalsekretär zur Deutschen Bibelgesellschaft nach Stuttgart.
Eine Aufgabe, die für den Theologen Neues brachte, musste er doch auch internationale Kontakte pflegen: "Ich habe viele Länder gesehen und viele Menschen kennengelernt." So ist die deutsche Bibelgesellschaft, in der Nähe findet sich übrigens die Bibelgesellschaft Stade, Mitglied der Weltbibelgeschaft, engagiert sich mit der "Weltbibelhilfe" aber auch selbst im Ausland.
Wem die Deutsche Bibelgesellschaft auf Anhieb nichts sagt: Die gemeinnützige kirchliche Stiftung setzt sich dafür ein, jedem Menschen die Bibel zugänglich zu machen. Dazu gehört nicht nur ein erschwinglicher Preis, sondern auch eine verständliche Sprache. Und neuerdings eine Form, die den technischen Entwicklungen Rechnung trägt. In der Online-Präsenz heißt es: "Das Buch der Bücher soll den Menschen so begegnen, dass es sich ihnen öffnet und ihnen Orientierung für ihr Leben bietet."
Auf drei Audienzen beim Papst kann Dr. Jan Bühner zurückblicken. Er hat festgestellt, dass das Zusammen der großen Kirchen bei der interkonfessionellen Arbeit an der Bibel und ihrer immer noch andauernden Erforschung viel einfacher ist als vor Ort in den Gemeinden und Regionen.
Doch zurück zu dem Menschen Dr. Jan Bühner. In Stuttgart bei der Arbeit hat er auch sein privates Glück gefunden. Mit Ehefrau Inge bildet er heute eine "typische Patchwork-Familie" mit zusammen sechs Töchtern, eine von ihnen ist inzwischen auch nach Cuxhaven gezogen. "Meine Frau und ich waren immer gerne in Cuxhaven", sagt Bühner, und das erleichterte die Entscheidung. Seit eineinhalb Jahren leben Inge und Jan Bühner jetzt (wieder) in Cuxhaven. Inge Bühner ist gebürtig in Pinneberg, wusste den Norden zu schätzen. Doch während dieser Wechsel für ihren Mann die Begegnung mit alten Bekannten und Freunden brachte, es für ihn eine Rückkehr war, schmerzte sie das Zurücklassen aller Kontakte. Doch Inge Bühner ist jemand, der die Initiative ergreift. Unter anderem im VHS-Altenprogramm fand sie neue Tätigkeitsfelder und wird inzwischen auch selbst in der Stadt angesprochen. Es scheint, dass Cuxhaven ihrer beider Heimat wird, alte und neue. Denn die Freude und auch Zufriedenheit über das Leben in Cuxhaven war am Anfang stärker die Domäne ihres Mannes. Der nicht nur wegen der schon erwähnten Geschäfte in Erinnerung ist. Auf seines Vaters Spuren wandelnd ist Dr. Jan Bühner bei der Seglervereinigung Cuxhaven aktiv, kümmert sich um deren Archiv. Im Gründungsjahr 1926 war sein Vater Mitglied geworden, vor seinem Tode 1956 der erste Kommodore der SVC.
Ein weiteres Betätigungsfeld fand Bühner beim Shanty-Chor Cuxhaven. Als 2. Tenor und Notenwart (übrigens: verwaltet werden die Schätze mittlerweile elektronisch) schätzen ihn die Sänger. Bewusst genießt Dr. Jan Bühner den Abstand zur Theologie. Durch den Reformdruck finde eine zu starke Selbstbeschäftigung statt, analysiert er die Kirche und hofft, dass sich dieses bald ändern möge.
Doch vor allem: Ihm gefällt seine alte Heimat. Der Blick aus den Fenstern der Wohnung über die Grimmershörnbucht hin zur Kugelbake, die liebevoll restaurierte Bausubstanz. Und auch der "morbide Charme", den Dr. Jan Bühner zum Beispiel immer dann verspürt wenn er auf Schilder stößt, die zur Elbe- oder England-Fähre führen.
Von Kai-Christian Krieschen
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