Dialektfrei im Cuxland gelandet
OTTERNDORF. Für wen das Herz von Thomas Lötsch schlägt, ist ganz offensichtlich. Es sind seine beiden pechschwarzen Cockerspaniel Odi und Pluto. Die treuen Hunde liegen ihm zu Füßen und bestimmen doch seinen Lebensrhythmus. "Diese Hunde sind Charaktertiere", schwärmt Lötsch und lässt sich prompt an der langen Leine zum Otterndorfer Elbdeich ziehen.
In Otterndorf hat Thomas Lötsch seine zweite Heimat gefunden und ist mit seiner Wahl rundum zufrieden. Aus Freiberg in Sachsen hat es ihn an die Unterelbe verschlagen, dorthin wo Wind und Wellen das Leben bestimmen und "wo richtig viel Potenzial vorhanden ist". Thomas Lötsch führt für den Landkreis Cuxhaven die Agentur für Wirtschaftsförderung in Cuxhaven. Gemeinsam mit Dr. Hans-Joachim Stietzel (Stadt Cuxhaven) lenkt der 34-Jährige ein rund 20-köpfiges Team, das sich von Existenzgründung bis Offshore, von Forschung bis Tourismus, von Gesundheit bis Seeflughafen um die standortfestigenden Themen dieser Region kümmert. "Die Wirtschaftsförderung ist Dienstleister und die nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung dieser Region ist unser erklärtes Ziel." In der Agentur für Wirtschaftsförderung arbeiten Bankleute, Ingenieure oder auch Kaufleute. Das faszinierte den neuen Leiter. "Mit diesen Kollegen kann man aktive Projektentwicklung mit viel Kompetenz betreiben", lobt Lötsch.
Thomas Lötsch ist in seinem Metier ein Profi, denn noch während seines Studiums stand er schon im Berufsleben. Zunächst studierte Lötsch Verkehrswirtschaft in Dresden, dann kam der Wechsel zur Betriebswirtschaft in Freiberg. Zwischendurch (von 2002 bis 2004) schrieb er seine Diplomarbeit und engagierte sich in der Reorganisation eines Reiseveranstalters. Zwei Jahre lang baute er in seiner sächsischen Heimat ein Gebietsmanagement auf, war Projektleiter in einer Stadtentwicklungsgesellschaft bei der er heute noch als stiller Gesellschafter fungiert. Als Geschäftsführer einer kommunalen Gesellschaft und als Pionier beim Aufbau einer mittelständischen Beteiligungsholding sammelte Diplom-Kaufmann Thomas Lötsch Erfahrungen, die ihm heute in der Agentur für Wirtschaftsförderung zugutekommen. Theorie und Praxis sind ihm in Fleisch und Blut übergegangen. Auch auf die Wissenschaft mag er als Honorardozent für Unternehmensgründung und Führung an einer privaten Hochschule nicht verzichten.
Seit fast einem Dreivierteljahr setzt Lötsch nun gemeinsam mit Dr. Stietzel Schwerpunkte in der Wirtschaftsförderung. "Ein spannendes Feld, in dem man schnell und flexibel sein muss." Lötsch kann sich auf ein eingespieltes Kollegen-Team verlassen und ist positiv überrascht, wie unternehmerisch die Landkreisverwaltung strukturiert ist. Lötsch ist begeistert von der Dynamik an der Offshore-Basis und prognostiziert eine stetig steigende Cluster-Struktur mit Zukunftsbranchen. "Mittelständler in der Fläche haben und werden künftig davon profitieren", weiß der Wirtschaftsförderer.
Thomas Lötsch spricht auch von dem wissenschaftlichen Blick auf diese Region und davon, dass er dazu beitragen will, dass Menschen eine Lebensgrundlage finden. "Das ist hier im Cuxland mehr als ein Job, das ist eine Aufgabe und die Emotionen dürfen nicht fehlen", konstatiert er.
Dass er seit April auch Geschäftsführer des Seeflughafens in Nordholz ist, kann den Neu-Otterndorfer nicht schrecken, ganz im Gegenteil. "Der Flughafen ist als Baustein für die Infrastruktur dieser Region von großer Bedeutung und ein sehr guter Standortfaktor." Der leidenschaftliche Pilot Lötsch hat also den Sea-Airport ganz anders im Blick und hofft auf eine neue Zukunft für den umstrittenen Flughafen. Der Airport soll schon bald für positive Schlagzeilen sorgen. "Er muss aus eigener Kraft funktionsfähig sein, in ein paar Wochen wird man dazu mehr sagen können." Und schnell ergänzt er: "Wir bauen keine Luftschlösser, wenn's spruchreif ist, dann gehen wir damit an die Öffentlichkeit, vorher nicht."
Überhaupt hat es die Fliegerei Thomas Lötsch angetan. Schon als 13-Jähriger besaß er einen Segelflugschein und geriet damit prompt in den Fokus der Staatssicherheit der DDR. Dass über ihn eine Stasi-Akte angelegt wurde, weil man Angst hatte, der Jugendliche könnte mit einem Segelflieger in die Bundesrepublik reißaus nehmen, schockt den Sachsen immer noch. Die Bespitzelung von damals hat er nicht vergessen. "In der Stasi-Akte stand auch, dass ich in der Schule gesagt hatte, dass mir West-Schokolade besser schmeckt als Ost-Schokolade." Lötsch schüttelt den Kopf und sinniert: "Wer hätte das gedacht, dass ich im Jahr 20 nach der Wende an dieser schönen Küste lande."
Was er denn bei den "Fischköppen" wolle, hatten ihn seine sächsischen Freunde vor dem Umzug noch gefragt. Thomas Lötsch muss unweigerlich lachen: "Nur gut, dass ich als Jugendlicher eine feste Zahnspange tragen musste und deshalb ein dialektfreier Sachse bin..."
Der hochdeutsch sprechende Freiberger ist jedenfalls mit offenen Armen im Cuxland empfangen worden, ganz besonders in Otterndorf. Es war sein Antrittsbesuch bei Samtgemeindebürgermeister Harald Zahrte, der ihn für die Medemstadt begeisterte.
Am Süderwall fand Lötsch ein schmuckes Häuschen und fühlt sich dort seit drei Monaten pudelwohl. Trotzdem zieht es ihn immer wieder in die Ferne. Lötsch sitzt gern in einer Cessna, doch genauso gern ist er in norwegischen oder schwedischen Gewässern mit seinem Hochseekajak unterwegs.
Nun will er auch noch Segeln lernen. "Es war schon immer mein Traum mal um die Welt zu segeln." Der reiselustige Wirtschaftsförderer kriegt glänzende Augen und fügt schnell hinzu: "Mein Traum ist es aber auch mit einem Leichtflugzeug ans Horn von Afrika zu fliegen." Thomas Lötsch blickt auf die Elbe und seufzt: "Hier direkt am Meer kann man so schön dem Fernweh frönen..."
Von Frauke Heidtmann
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