"Das wird eine spannende Zeit"
IHLIENWORTH/OTTERNDORF. Er ist einer der Väter der Fusion der Samtgemeinden Hadeln-Sietland und - wie sein Amtskollege Harald Zahrte - ein Pionier auf diesem Gebiet. Der Sietländer Samtgemeindebürgermeister Maik Schwanemann gibt freiwillig zum Jahresende den Posten auf und wird doch weitermachen...
Es ist Urlaubszeit für Maik Schwanemann, Zeit um sich zu sortieren und über die Zukunft nachzudenken. Schwanemann hat gerade Ferien in der Schweiz hinter sich und freut sich doch, dass er am Otterndorfer Elbdeich sitzen kann und "richtiges Wasser" im Blick hat. Urlaub machen heißt für den jüngsten Verwaltungschef im Landkreis Cuxhaven Wasser, Sand und Spielen mit den Kindern. Seine beiden Jungs Yannick (8) und Julian (5) strahlen um die Wette, denn der vielbeschäftigte Papa hat für seine Lütten endlich mal wieder Zeit.
Maik Schwanemann ist im Sietland tief verwurzelt. In Medemstade wuchs er auf einem Bauernhof auf, doch der jüngste der drei Söhne strebte nicht in die Bodenbearbeitung, mehr ins Büro. Nach Höherer Handelsschule in Cuxhaven, einer dreijährigen Lehre als Verwaltungsfachangestellter, der einjährigen Fachoberschule Wirtschaft in Bremerhaven und der anschließenden Ausbildung für den gehobenene Verwaltungsdienst, war die Sietland-Verwaltung sein erklärtes Ziel. Schwanemann war dort "zweiter Mann" nach den Verwaltungschefs Tiedemann und Brauer, doch mit der Einführung eines eingleisigen Samtgemeindebürgermeisters, war auch die Karriere vorbestimmt. Maik Schwanemann kandidierte für den hohen Posten als Parteiloser - gestützt von der SPD - und gewann gleich im ersten Wahlgang. Dass er dieses Amt mit Akribie und viel Fachwissen ausübt, bescheinigen ihm selbst frühere Kritiker. Schließlich war Schwanemann zuvor durch so manche verwaltungspolitische Höhen und Tiefen gegangen. "Man lernt durch negative Erfahrungen", kommentiert er die Zeit kurz und knapp. Das ist längst Vergangenheit und der Bürgermeistermeister ist mit seinem Amt selbstbewusst gewachsen und gilt bei seinen Kollegen als gefragter Ratgeber.
Schwanemann sagt, wer glaubt, Verwaltung sei langweilig, der irrt. Hier könne man gestalten und kreativ sein. Diese Kreativität lebte der Ihlienworther in den vergangenen Jahren mit dem Hadler Samtgemeindebürgermeister Harald Zahrte aus. Sie sind nämlich die Pioniere des Zusammenschlusses der beiden Samtgemeinden Hadeln und Sietland - hier besser bekannt als "HaSi-Land". Die Fusion ist aus der Not geboren, denn das arme Sietland kämpft ums Überleben. "Mit Sparen allein kamen wir im Sietland nicht weiter, man kann sich auch kaputt sparen. Schulen und Kindergärten schließen, das kann ja nicht das Ziel sein", so Schwanemann. Also waren Visionen gefragt und auf einer Autofahrt mit Harald Zahrte nach Lüneburg zur Regierungsvertretung begann eine lebhafte Diskussion zwischen den beiden Verwaltungschefs. Der Politik wurde ein "Fusions-Gerüst" präsentiert, Informationsveranstaltungen fanden statt und am Ende entschieden die Räte sich für die neue Samtgemeinde mit dem Namen "Land Hadeln". Schwanemann: "Harald Zahrte hat mich mit seinen Ideen einfach mitgerissen, ich bin immer noch begeistert und schon sehr gespannt, wie die praktische Umsetzung ab Januar des kommenden Jahres funktioniert."
Doch vorher - am 7. November dieses Jahres - wird der erste Samtgemeinderat gewählt und auch für einen neuen Samtgemeindebürgermeister sollen die Wähler ihre Stimme abgeben. Einziger Kandidat bisher ist Harald Zahrte aus Otterndorf, Maik Schwanemann tritt nicht an. Damit hat er sich im Zuge der Fusion sozusagen selbst weg rationalisiert. Bleiben wird er trotzdem, eben nur in anderer Funktion. Wenn Harald Zahrte zum neuen Samtgemeindebürgermeister gewählt wird, dann dürfte der wohl Maik Schwanemann für den Stellvertreterposten vorschlagen. Beide wollen die neue Doppelspitze bilden und ergänzen sich jetzt schon bestens. "Wir schätzen uns und üben gegenseitige Loyalität", freut sich Schwanemann. Der jetzige Stellvertreter von Zahrte ist übrigens immer noch Jürgen Lafrenz, der allerdings im kommenden Jahr in Pension geht.
Ganz Niedersachsen blickt auf die HaSi-Land-Fusion, sie ist die erste ihrer Art im Lande. "So oft, wie in den vergangenen zwei Jahren war ich noch nie in Hannover und in Lüneburg", schmunzelt Maik Schwanemann. Der Draht ins Innenministerium - es begleitet die Phase des Zusammenschlusses intensiv - ist seitdem kurz und effektiv. ",HaSi-Land? basiert auf einem Zukunftsvertrag mit dem Land, denn die neue Samtgemeinde soll schließlich auf ordentlich finanziellen Füßen stehen", erläutert Experte Schwanemann. 16 000 Einwohner wird die neue Kommune zählen, 34 Verwaltungsmitarbeiter werden in Otterndorf und in Ihlienworth für die Bürger da sein.
Die Befürchtungen, das Sietland würde bei dem Zusammenschluss "untergehen", teilt Schwanemann nicht. Vielmehr sieht er eine Stärkung, denn durch die sogenannte Einwohnerveredelung wird es auch mehr Zuschüsse geben. Rund eine halbe Million Euro an Schlüsselzuweisungen sind durch die Fusion zu erwarten, damit kann die neue Kommune überlebensfähig in die Zukunft blicken.
Auch politisch werde das Sietland nicht ins Abseits gestellt. "Otterndorf ist zwar die Marke, aber die sieben Mitgliedsgemeinden sind stark und schicken ebenso starke Persönlichkeiten in den neuen Samtgemeinderat", ist sich Schwanemann sicher. Nur die Wahlbeteiligung am 7. November macht dem Bürgermeister jetzt schon Kopfzerbrechen. "Hoffentlich machen die Bürger von ihrem demokratischen Recht Gebrauch und gehen zur Wahl."
Maik Schwanemann mag "sein" Sietland, daran lässt er keinen Zweifel. Dort steht er nämlich nicht nur an der Spitze der Verwaltung, seit zehn Jahren ist der passionierte Sportler auch Vorsitzender des TSV Ihlienworth. Rund 650 Mitglieder zählen zu dem Sportverein, der für Schwanemann immer auch eine zweite Heimat war und ist. Hier spielte er schon in seinen Kindertagen Fußball und für den Verein lief er mit zwei Stunden und 49 Minuten zu besten Marathonzeiten. Der Mann weiß nur zu gut: "Man braucht einen langen Atem..."
Von Frauke Heidtmann
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