Nachrichten, Lokalsport und Anzeigen aus dem Landkreis Cuxhaven
WERBUNG
2. September 2010

Cuxhaven übt Kritik an Hadler Baupolitik

OTTERNDORF/CUXHAVEN. Was sich derzeit zwischen Cuxhaven und Otterndorf anbahnt, hat mit guter Nachbarschaft wohl nichts zu tun. Es geht dabei um die positive Siedlungsentwicklung der Stadt Otterndorf, die macht dem negativen Trend in Cuxhaven zu schaffen.

In der vergangenen Woche tagte in Cuxhaven der Ausschuss demografischer Wandel. Dort hatte der CDU-Fraktionschef Thiemo Röhler auf die gute Baugebietsentwicklung der Stadt Otterndorf reflektiert und die Frage an die Cuxhavener Stadtverwaltung in den Raum geworfen: "Warum ist Otterndorf attraktiver als Cuxhaven? Wir müssen Antworten auf diese Frage finden." Röhler berief sich dabei auf die Berichterstattung in unserer Zeitung ("Gegen den Trend: Otterndorf wächst weiter"), die sich nicht nur mit der Bevölkerungsentwicklung in Otterndorf beschäftigte, sondern einhergehend auch mit den neuen Baugebieten. Aktuell war in Otterndorf Ende Juni das Baugebiet "Kiebitzhörn II" mit 32 Bauplätzen angeboten worden, nach knapp sechs Wochen waren alle Bauplätze bereits verkauft. Die Otterndorfer denken schon an ein weiteres Baugebiet, denn die Nachfrage steigt stetig. Doch dagegen legt die Stadt Cuxhaven nun ihr Veto ein. In der Stadt Cuxhaven sei es in der Vergangenheit nach Angaben von Ulrich Lasius (städtischer Fachbereich Planen, Stadtentwicklung und Bauen) übliche Praxis, bei der Ausweisung von Wohnbauflächen in Nachbargemeinden Zurückhaltung zu üben. Vor dem Hindergrund des demografischen Wandels sei in Cuxhaven ein Schwerpunkt auf die Bestandsentwicklung gelegt worden. Lasius hatte in der Ausschusssitzung der Stadt Cuxhaven gemeint: "Andere blenden diese Rahmenbedingungen aus, der Flächenverbrauch wird mit großen Entwicklungen fortgesetzt." Und der Stadtbaurat von Cuxhaven, Michael Müller, setzte noch einen drauf. Mit Schreiben vom 1. Juli dieses Jahres habe Cuxhaven gegenüber der Otterndorfer Verwaltung in einem Schreiben mitgeteilt, dass man "grundsätzliche Bedenken gegen das Baugebiet Kiebitzhörn II anmeldet". Wörtlich heißt es in dem Schreiben: "Eine expansive Siedlungsentwicklung, wie sie aus dem übersendeten Entwicklungskonzept Otterndorf-Nordost ersichtlich ist und durch das aktuelle Flächennutzungsplan-Änderungsverfahren in Teilen planerisch umgesetzt werden soll, läuft angesichts der demografischen Perspektive der Region den raumordnerischen Zielen für das Mittelzentrum Cuxhaven zuwider."

Die Kritik von Müller ging in der Sitzung aber noch weiter, denn er meinte, dass die geplante Wohnbauflächenentwicklung in Otterndorf die tatsächlichen demografischen Rahmenbedingungen nicht würdige, denn die Bevölkerungsentwicklung des Landkreises seit seit 2003 rückläufig. Auch für Otterndorf sei ein Rückgang der Bevölkerung zu erwarten, so Müller. An die Adresse Otterndorfs gerichtet meinte der Cuxhavener: "Eine fortwährende Wohnbauflächenausweisung der Nachbarkommune läuft den Cuxhavener Zielen der Stadtentwicklung sowie den Zielen der Raumordnung zuwider und erschwert die Stabilisierungsbemühungen für den regionalen Wohnungs- und Immobilienmarkt."

Gestern nun reagierte die Stadt Otterndorf auf die Cuxhavener Aussagen. Die Stadt Cuxhaven habe im Aufstellungsverfahren des Bebauungsplanes "Kiebitzhörn II" im Rahmen der frühzeitigen Behördenbeteiligung schriftlich mitgeteilt, dass ihrerseits "keine städtebaulichen Stellungnahmen vorgebracht" würden. Im Aufstellungsverfahren zur 44. Änderung des parallel aufgestellten Flächennutzungsplanes ging dann im Rahmen der Behördenbeteiligung am 7. Juli bei der Samtgemeinde Hadeln die zitierte Stellungnahme der Stadt Cuxhaven ein. "Zu diesem Zeitpunkt war die Frist für die Abgabe von Stellungnahmen bereits seit gut zwei Wochen abgelaufen", so Samtgemeindebürgermeister Harald Zahrte. Der Feststellungsbeschluss des Rates für die Änderung des Flächennutzungsplanes war ebenfalls bereits erfolgt, sodass die Stellungnahme der Stadt Cuxhaven wegen der Nichtabgabe innerhalb der bekannten Frist nicht mehr in den Gremien beraten werden konnte.

Zahrte teilte weiter mit, dass die Stadt Otterndorf mit der Ausweisung eines neuen Baugebietes dem aktuellen Bedarf an Wohnbauflächen nachkomme, der zumindest derzeit nicht durch Nachverdichtung im Innenbereich der Stadt realisiert werden könne. Otterndorf erfülle damit die Funktion als Grundzentrum, die unter anderem auch in der Entwicklung von Wohnstätten bestehe. Da diese Schwerpunktaufgabe auch im aktuellen Entwurf des Regionalen Raumordnungsprogrammes des Landkreises Cuxhaven festgehalten wurde, sei nicht zu erkennen, dass eine Ausweisung von Baugebieten in Otterndorf den Zielen der Raumordnung zuwider laufen würde. Im Übrigen setze sich die Stadt Otterndorf sehr intensiv mit den Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Region in den Gremien auseinander. "Ich freue mich, dass die Stadt Otterndorf entgegen den Trend wieder steigende Einwohnerzahlen verzeichnet", so Zahrte.

Die Aussagen seines Bauamtes mochte Cuxhavens Oberbürgermeister Arno Stabbert gestern nicht kommentieren. Doch er machte im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich, dass ihm die Entwicklung in Cuxhaven "große Sorge bereitet". Derzeit zähle die Stadt 32 000 Wohneinheiten, 1 500 Wohnungen stünden leer und nach neuestem Stand zwischen 300 bis 500 Häuser, so Stabbert. Die N-Bank schätze sogar, dass es einen Leerstand bis zu 10 Prozent geben könne.

Oberbürgermeister Stabbert: "Wir können diese Entwicklung nicht verhindern." Bei der rasanten demografischen Entwicklung forderte er gestern den Landkreis auf, "augenblicklich tätig zu werden".

Von Frauke Heidtmann

Ihre Stimme wird übermittelt

Altenwalde: Eislaufen mitten im Ort

ALTENWALDE. "Mit Kanthölzern und Folie muss das gehen!" befand Ingo Uppendahl vom Verein "Wir für uns in Altenwalde". Endlich sollte der Traum von der Eislaufbahn mitten im Ort wahr werden. Ingo Uppendahl zählt zum harten Kern... mehr
 

Weltenbummler: Zwischen Vulkan und Hurrikan

OBERNDORF. Der auf dem letzten Info-Abend des "Blauen Netzes" mit Döntjes und Logbuch-Zitaten gespickte, ebenso fachkundige wie humorvolle Vortrag der Transatlantik-Segler Marlene und Bert Frisch kam derart gut an, dass er in... mehr
 

Schützen: Waffensteuer ist kein Thema

KREIS CUXHAVEN. Die Schützen in Niedersachsen müssen sich vor keiner Waffensteuer fürchten, wie sie zurzeit im benachbarten Bremen von der SPD-geführten Landesregierung voran getrieben wird: "Wir werden die Schützen auf keinen... mehr
 
Otterndorf ist im Vergleich zu Cuxhaven zwar eine kleine Stadt, doch für Familien und auch für ältere Menschen wird sie als Wohnort immer attraktiver. Bauplätze in neuen Baugebieten sind begehrt.
Foto: Heidtmann
Ihre Stimme wird übermittelt
Diesen Artikel mit drei Klicks bewerten

Sie können entweder einem Wort drei Stimmen geben oder Ihre drei Stimmen auf verschiedene Wörter verteilen.

  1. Artikel bewerten
  2. Ergebnis ansehen



Leserkommentare

JR, 3. September 2010, 20:55 Uhr

Da gönnt der GROSSE dem kleinen nicht das schwarze unter den Fingernägeln

Purer Neid. Otterndorf ist nun mal attraktiver geworden und auch bezahlbar. Was ist in Cuxhaven für die Einheimischen noch interessant? Noch ein paar Jahre, dann fliegen die verdürten Büsche durch die Nordersteinstrasse, weil ein Laden nach dem nächsten schliesst; dann das Bahnhofproblem, während woanders Paläste gebaut werden; ständiger Gestank vom Klärwerk, grade im Hochsommer, von dem Fischwehlwerk mal abgesehen; dann die hohen Preise für Miete usw, es ist vieles überteuert bei geringen Löhnen; investiert wurde doch überwiegend in den heiligen Tourismus, der über alles steht, da kann man ja auch gerne das eigene Volk ausser acht lassen; aber eins steht fest, wenn der Einheimische abwandert, bleibt der Tourist auch bald fern.
Achso: Ich wohne nicht in Otterndorf :-))
Schreiben Sie einen Kommentar




CAPTCHA Bild zum Spamschutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*

* obligatorisches Feld