Brunken: "Einfach mal chillen"
LÜDINGWORTH. Sein letzter Urlaub ist schon eine ganze Weile her. Beruf und vor allem ehrenamtliches Engagement lassen es einfach nicht zu. Mit 39 Jahren ist Thomas Brunken einer der jüngsten Bürgermeister im Landkreis Cuxhaven. "Sein" Dorf Lüdingworth ist jedoch nur eine von vielen Leidenschaften, die das Leben von Thomas Brunken bestimmen.
Es ist schwer an dem Haus der Familie Brunken im Köstersweg vorbeizufahren ohne einen Blick in den Vorgarten zu riskieren. An einem meterhohen Mast weht eine riesige blau-weiß-schwarze Fahne des Hamburger SV wie wild umher. "Und das bei Wind und Wetter", sagt Thomas Brunken leicht schmunzelnd. Er ist bekennender Fußballfan des HSV und auch seit vielen Jahren Mitglied im Verein. Wenn es die Zeit zulässt, besucht er mit Frau Dominique (40) und Tochter Saskia (15) einmal im Monat ein Heimspiel seines Lieblingsclubs.
Doch meistens scheitert es an der fehlenden Zeit für die Freizeitaktivitäten. Das Leben als Berufssoldat in der Marineoperationsschule in Bremerhaven, sein Ortsbürgermeister-Amt in Lüdingworth und das Engagement im Schützenwesen des Ortes und des Bezirks lassen nur wenig zeit für andere Dinge.
"Wenn ich dann Ruhe hab, dann will ich einfach nur mal chillen", sagt Brunken und fügt grinsend hinzu: "So sagt man das doch neudeutsch, oder?" Doch mit der Ruhe ist es bei Brunken so eine Sache, denn die gibt's einfach kaum...
Dass er nun Lüdingworths Dorfoberhaupt ist, hat er einem tragischen Umstand zu verdanken. Nach dem viel zu frühen Tod des Ortsbürgermeisters Hartwig Möller wurde schnellstens ein Nachfolger gesucht.
Erst 2006 in den Ortsrat gewählt, übernahm Brunken im Sommer 2007 schon den Posten. "Ich hatte nie das Bestreben Bürgermeister zu werden", gibt er offen zu. Doch als er vom CDU-Fraktionsvorsitzenden Volker Kamps gefragt wurde, sagte er sofort zu. "Das habe ich natürlich gerne gemacht", so Brunken.
Von dem Zeitpunkt an begann ein neuer Lebensabschnitt für den 39-Jährigen. Nun, fast drei Jahre später, blickt er zufrieden auf die Zeit zurück. Mit dem Bau eines Feuerwehrgerätehauses und dem Erhalt der Lüdingworther Schule hat er federführend zwei wichtige Projekte im Ort umgesetzt. "Obwohl viele gesagt haben: Das schafft ihr nicht."
Und in diesem Jahr wartet die nächste knifflige Aufgabe auf ihn und seine Ratskollegen. Das Ziel ist es, wieder einen Lebensmittelhändler in dem 1 800-Seelen-Örtchen zu integrieren. "Wir haben drei Varianten durchdacht", erzählt Brunken. Wie diese genau aussehen, will er nicht verraten. Nur soviel: "Es wird auf jeden Fall etwas passieren".
Passieren soll in Zukunft auch etwas bei seiner größten Leidenschaft - dem Schützenwesen. Als Präsident des Bezirksschützenverbandes versucht er seit fünf Jahren dem drittgrößten Verband in Niedersachsen wieder Gehör zu verschaffen. "Wir wollen auf Landesebene wieder eine wichtigere Rolle einnehmen", sagt Thomas Brunken ehrgeizig.
Seit 1994 ist er selbst aktiv im Schützenverein Köstersweg, zurzeit sogar stellvertretender Vorsitzender. "Zwischendurch habe ich jahrelang den Tresen im Schützenheim geführt", so Brunken. Und dies hatte auch einen besonderen Grund.
Vor seiner Zeit als Berufssoldat absolvierte er eine Lehre als Hotel- und Gaststättenkaufmann im Hotel Strandperle in Duhnen. "Ich kam also vom Fach", schmunzelt er.
Doch nach der Ausbildung kam die Bundeswehrzeit. Er musste zum Grundwehrdienst und seitdem ist er vom Bund nicht mehr weggekommen, wie er berichtet. "Eigentlich wollte ich da ja gar nicht hin, aber dann bin ich nicht mehr weggekommen."
Nun ist Thomas Brunken mehr als zufrieden mit all seinen beruflichen und ehrenamtlichen Aufgaben, auch wenn er gerne wieder etwas mehr Zeit mit der Familie verbringen würde. "Das kommt leider oft zu kurz." Seine Entscheidungen bereut er dennoch nicht. "Ich bin mit viel Freude dabei", so Brunken. Sei es im Job, als Ortsbürgermeister oder als Schützenpräsident.
Und das soll auch, wenn es nach ihm geht, so weitergehen. Das kommende Jahr wird's zeigen. Das "Jahr der Entscheidungen", wie Thomas Brunken es betitelt. Kommunalwahlen, Wahlen im Bezirksschützenverband und auch über seine berufliche Zukunft in Bremerhaven wird diskutiert. "Da entscheidet sich Vieles, in welche Richtung auch immer", sinniert Brunken.
Doch er ist optimistisch ob seiner Zukunft. Trotzdem hat er noch keine großen Pläne für die Zeit danach gemacht. Er lässt es auf sich zukommen und sagt augenzwinkernd: "Ich bin ja noch jung."
Von Jan Unruh
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