Bewerberzahl geht drastisch zurück
KREIS CUXHAVEN. Raus aus der Schule, hinein ins Berufsleben. Ob Bankkaufmann, Kfz-Mechatroniker, Verkäufer oder Koch - bundesweit bedeutet der 1. August der Start in die Ausbildung. Doch für viele ist die Suche noch nicht beendet - weder von Seiten der Betriebe noch der Bewerber. Im Cuxland sind freie Lehrstellen, aber auch Jugendliche auf der Suche nach einer Ausbildung registriert.
Genau ermitteln lässt sich die Zahl der Auszubildenden und Lehrstellensuchenden im Cuxland nicht: Kein Unternehmen oder Schüler ist gezwungen, Stellenangebote und -gesuche zu melden. Immerhin: Tendenzen können Institutionen liefern. In der Geschäftsstelle Otterndorf der Agentur für Arbeit, zuständig für den Altkreis Land Hadeln, sind von 303 gemeldeten Bewerbern derzeit noch 59 junge Menschen ohne einen Ausbildungsplatz.
Dem gegenüber stehen 35 unbesetzte Stellen. Im gesamten Agenturbezirk Stade, der den Landkreis Cuxhaven abdeckt, waren Ende Juni noch 563 Ausbildungsstellen unbesetzt. 1167 unversorgte Bewerber befanden sich noch auf der Suche. Freie Stellen waren vor allem bei den Banken, im Lebensmittelhandwerk mit Schwerpunkt Bäckerei, in der Gastronomie, aber auch im Einzelhandel verzeichnet.
Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage ist keine Überraschung. Bewerber und Stellenangebote passen nicht immer zusammen.
Die Industrie-und Handelskammer Stade für den Elbe-Weser Raum (IHK), die die gewerblich-technischen bis kaufmännischen Berufe abdeckt, schätzt die Ausbildungsplatzsituation insgesamt jedoch positiv ein. Die Zahl der bei der IHK zur Zeit eingetragenen Ausbildungsverhältnisse bewegt sich auf dem Niveau des Vorjahr: Es handele sich um 337 Azubis im Landkreis Cuxhaven beziehungsweise 1825 im gesamten Einzugsgebiet (inklusive der Landkreise Stade, Verden, Rothenburg und Osterholz).
Auch das Handwerk vermeldet einen positiven Sprung: Die Zahl der neuen Ausbildungsverhältnisse im Altkreis Land Hadeln ist von 77 im Juli vergangenen Jahres auf 112 im Juli 2010 gewachsen. Günter Neumann, zuständig für Berufsbildungsrecht der Handwerkskammer Lüneburg-Stade: "Einen Zuwachs an Ausbildungsstellen haben wir unter den Kfz-Mechatronikern, Metallbauern und unter den Frisören."
"Beliebt sind Berufe, in denen man schon im ersten Jahr verhältnismäßig viel Geld verdient und sich die Hände nicht schmutzig machen muss", fasst Kirsten Kronberg von der IHK-Öffentlichkeitsarbeit die Situation grob zusammen. "Das Image großer Firmen - wie der DOW, Airbus oder der Banken - zieht viele an. Kleinere Betriebe haben es schwerer, geeignete Bewerber zu finden."
Zwar ginge die Zahl der Ausbildungsstellen nicht zurück, wohl aber die der Bewerber. Das kann in Zukunft zum Problem werden. "Der Rückgang ist dramatisch", so Kronberg von der IHK: "Es sind etwa 50 Prozent weniger Bewerber im Vergleich zum vorigem Jahr da."
Jens Mathias, Geschäftsführer "Operative Bereiche" der Agentur für Arbeit Stade, kommentiert die Entwicklung der letzten Jahre: "Hatten wir seit Anfang der 90er Jahre einen Anstieg an Schülerzahlen und damit eine Verknappung des Ausbildungsangebotes, so kehrt sich die Situation derzeit um. Zukünftig werden Jugendlichen sich ihren Ausbildungsplatz stärker auswählen können. Dagegen werden die Betriebe verstärkt um Kandidatinnen und Kandidaten werben müssen."
Bestens qualifiziert sind die Bewerber nicht immer. Doch das alles schlechter geworden ist, sieht Neumann von der Handwerkskammer nicht: "Es gibt Defizite: vor allem im Sozialverhalten, etwa wenn sich in Hierarchien in Betrieben eingefügt werden muss. Doch was moderne Kommunikationsmittel angeht, sind die Bewerber fit."
Wer jetzt noch eine Lehrstelle sucht, hat oft nicht den Ausbildungsplatz gefunden, der der ersten Vorstellung entspricht. "Man muss auch in Betracht ziehen, die Region zu wechseln. Das ist natürlich für Minderjährige schwer und auch eine Kostenfrage", so Kronberg. Weiterhin heißt es, "Plan B" in Betracht zu ziehen: Welcher verwandte Beruf kommt für in Frage? Vielleicht führt ja auch ein anderer Weg zum Traumberuf.
Von Janna van Diepen
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