"Basketball spielen in Lamstedt ist schick"
LAMSTEDT. Es war der letzte Spieltag. Abstieg oder doch noch das rettende Ufer erreichen. Die Vorbereitung lief ziemlich ungünstig. Mit nur sechs Mädchen der U-15-Mannschaft reisen die Trainer Michael und Marco Willud zum Spiel nach Hagen am Teutoburger Wald. Zur Halbzeit liegt der TSV Lamstedt mit 17 Punkten zurück. Trauer und tiefe Enttäuschung in der Kabine. Doch, was dann kam, werden auch die beiden Willud-Brüder so schnell nicht vergessen.
Basketball in Lamstedt hat Tradition. Vor 35 Jahren wurde die Sparte beim TSV eingeführt. Gründungsvater und treibende Kraft war Rainer Lange, der im vergangenen Jahr nach langer und schwerer Krankheit starb. Bis heute hat sich die Abteilung stetig weiterentwickelt. Mittlerweile gehen 13 Mannschaften für den Verein auf Korbjagd. Eine beachtliche Anzahl für einen kleinen Verein, finden auch Michael und Marco Willud. "Basketball spielen in Lamstedt ist schick", sagt Marco. Er und sein Bruder leben den ehrenamtlichen Gedanken beim TSV Lamstedt. Basketball in Loomst ohne die Willud-Brüder? Für viele unvorstellbar.
Marco (36) ist Abteilungsleiter, sein größerer Bruder Michael (39) unterstützt ihn dabei. Gleichzeitig sind beide auch noch als Trainergespann in den weiblichen Jugendmannschaften tätig. "Ein Leben ohne Basketball ist auch für uns nur schwer vorstellbar", so Marco Willud und spricht damit auch seinem Bruder aus der Seele.
Mit jeweils zwölf Jahren haben beide mit dem Sport angefangen. Der erste Kontakt kam durch die Schule zustande. Michael Willud trat damals auf Drängen von Rainer Lange in die Basketball-AG ein. Bruder Marco machte es ihm drei Jahre später nach. Seitdem spielt der Basketball eine wesentliche Rolle in ihrem Leben. Sie wurden regelrecht infiziert vom "Korbvirus".
Jahrelang spielten beide aktiv in den Jugendmannschaften und im Herrenbereich beim TSV Lamstedt. Michael als Center und Marco als Aufbauspieler. Zusammen haben sie viele Spiele für "ihren" TSV bestritten. "Wir und ich glaube auch die anderen Spieler haben sich gefreut, wenn wir zusammen auf dem Platz standen", meint Michael Willud schmunzelnd. Der ältere der beiden Willud-Brüder zeichnete sich durch seine harte Spielweise unter dem Korb aus, kein Ball ging kampflos verloren. Marco Willud glänzte dagegen eher durch Übersicht und Ballgefühl. "Er war früher der beste Dreierschütze im Team", beschreibt Michael Willud seinen jüngeren Bruder. Die Zeiten des aktiven Sports sind aber bei beiden vorbei. "Dazu fehlt uns leider auch die Zeit", sagt Marco Willud. Beide haben inzwischen ihre eigenen Familien gegründet. Sowohl die beiden Töchter von Michael Willud - Laura (13) und Gina (11) - als auch Marcos Tochter Stella (14) spielen beim TSV Lamstedt Basketball. Und wie soll es anders sein - natürlich unter dem Trainergespann Michael und Marco Willud. Der Mädchen- und Damenbereich liegt fest in den Händen der beiden. "Es macht einfach Spaß den jungen Mädchen etwas beizubringen", so Marco Willud.
Und diese zahlen es mit unvergesslichen Erlebnissen zurück. Das Spiel beim Hagener SV schien in der Halbzeit schon verloren. "Die Mädchen weinten und waren am Boden zerstört", erinnert sich Marco Willud. Doch die Kabinenansprache muss neue Kräfte bei den Mädchen frei gesetzt haben. Sie haben gekämpft, geackert und vor allem den Korb getroffen. Am Ende stand es 103:97 nach Verlängerung für die Lamstedterinnen. Der Abstieg konnte gerade noch verhindert werden und Michael und Marco Willud waren um ein besonderes Ereignis reicher - das unvergesslichste Basketball-Spiel in ihrer bisherigen Karriere als Spieler und Trainer.
Von Jan Unruh
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