Nachrichten, Lokalsport und Anzeigen aus dem Landkreis Cuxhaven
WERBUNG
9. September 2010

Appell für mehr Verständnis

KREIS CUXHAVEN. Eigentlich könnte alles so reibungslos laufen, wie die Tragkraftspritze im Ernstfall. Tut es aber nicht.: Vermehrt kommt es im Landkreis Cuxhaven vor, dass gebuchte Lehrgänge von Feuerwehrleuten nicht wahrgenommen werden, weil sie dafür keinen Urlaub vom Arbeitgeber bekommen. Ein Thema, dass Brandschutzabschnittsleiter Thomas Friedhoff (Wanna) zum Nachdenken verleitet.

Wer aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr ist, lebt in Abrufbereitschaft, ist im Ernstfall rund um die Uhr einsatzbereit, egal ob es mitten in der Nacht oder Wochenende ist. Feuerwehrleute leisten in der Regel 24 Dienstabende pro Jahr, nehmen an diversen Unterichtsstunden teil, absolvieren als Training beispielsweise Atemschutzstrecken und nehmen an Lehrgängen teil. So halten sich Blauröcke fit, um im Falle eines Feuers, eines Verkehrsunfalls oder sonstiger Hilfeleistung für Gefahrenabwehr zu sorgen und Dienst am Nächsten zu leisten. Seine Feuerwehr ist eine hochspezialisierte, gut ausgebildete Truppe, weiß Â´Thomas Friedhoff.

In seinem Brandschutzabschnitt Cuxhaven Ost (Land Hadeln) ist es seit Jahrzehnten Usus, dass Feuerwehrleute für ihre Ausbildungslehrgänge Urlaubstage nehmen und dafür pro Woche rund 150 Euro erhalten. Laut niedersächsischem Brandschutzgesetz (Paragraf 11) darf kein aktives Feuerwehrmitglied Schaden durch diesen ehrenamtlichen Dienst am Nächsten haben, sprich muss von der Arbeit freigestellt werden. Für den Ausfall können Arbeitgeber sogar Kosten bei der Samtgemeinde geltend machen. Die Freiwilligen Feuerwehren mit ihren rund 1300 aktiven Mitgliedern sind fester Bestandteil des örtliches Lebens in Hadeln und meistens zeigen Arbeitgeber Verständnis für die Pflichten von Wehrleuten.

Aber eben nicht alle. Die Praxis zeigt bereits, dass nicht alles so glänzt wie die Goldknöpfe an der Uniform. Aktuell mussten sogar Wochenendlehrgänge an der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) Cadenberge abgesagt werden, weil kurzfristig Teilnehmer aus Arbeitsgründen abspringen mussten. Friedhoff bedauert: "Das ist eine Tendenz, die zunimmt."

Er begrüßt daher die Initiative des Innenministers Uwe Schünemann, der kürzlich mit einem offenen Brief an die Arbeitgeberverbände ausdrücklich an die Unternehmen appellierte, Feuerwehrleute für ihren Dienst freizustellen. In dem Ministerschreiben wird das Problem so thematisiert: Es gebe Einzelfälle, in denen Arbeitnehmern nahe gelegt wird, für einen Feuerwehreinsatz ihre Arbeitsstelle nicht zu verlassen. Sorge um den Arbeitsplatz führe dann zu einem belastenden Gewissenskonflikt mit der Folge, dass Arbeitnehmer sich gegen den gesetzlichen Freistellungsanspruch entscheiden. Dies könne, so die artikulierte Sorge des Innenministers, letztendlich dazu führen, dass der Brandschutz und die Hilfeleistung in einer Gemeinde nicht mehr sichergestellt werden kann. Fehlten aber auf Dauer zu bestimmten Tageszeiten ehrenamtliche Einsatzkräfte, könnten die Gemeinden dies nur durch einen verstärkter Einsatz durch Steuern finanzierter hauptamtlicher Kräfte ausgleichen, so die perspektivische Sorge aus Hannover.

Und tatsächlich ist genau auch dies ein Thema an der Basis. Gängige Praxis bei Einsätzen sei bereits heute, dass gefragt werde, wer zuerst nach Hause muss, um keinen Ärger bei der Arbeit zu bekommen.

Chefs sind aber nur die eine Seite. Vermehrt seien Feuerwehrleute auch "blöden Bemerkungen von Kollegen" ausgesetzt, die schon mal verständnislos herum maulten, dass sie die Arbeit mitmachen müssten, ist dem Abschnittsleiter bekannt

Thomas Friedhoff hat bereits Ministerpräsident David McAllister für das Thema sensibilisiert. Der Hadler Brandschutzabschnittsleiter hofft, dass bei Unternehmen das Bewusstsein wieder wächst: "Von einem gut ausgebildeten Feuerwehrmann profitiert jede Firma." Bei Lehrgängen blieben die Feuwerwehrleute schließlich geistig beweglich, werden technisch fit gemacht und sind firm im Umgang bei Hilfsmaßnahmen. Dazu komme: "Feuerwehrleute sind die besten Brandschutzbeauftragten in Betrieben, ohne dass ein Cent für die Ausbildung dazugezahlt werden muss." Friedhoff weiter: "Die Firmen müssten das mehr als Chance verstehen." Vielleicht, so sinniert der Hadler Feuerwehrchef, sollte man auch den besser steuerlich berücksichtigen, wer Feuerwehrleute ein- und freistelle.

An Zugkraft jedenfalls hat der freiwillige Dienst am Nächsten in dieser Region nichts eingebüßt. Wichtiges Bindeglied dabei ist die Jugendfeuerwehr - und auch die Nachwuchsorganisation befindet sich im Aufwind: Jüngst wurde mit Geversdorf die 16. Jugendfeuerwehr aus der Taufe gehoben.

Von Wiebke Kramp

Ihre Stimme wird übermittelt

Preisgekrönt: Tauch-Oscar für den Kreidesee

HEMMOOR. Zum zweiten Mal in Folge ist die Tauchbasis Hemmoor auf der Düsseldorfer Bootsmesse mit dem Award "Beste Tauchbasis Heimische Gewässer" ausgezeichnet worden. Die Auszeichnung wird alljährlich von der Fachzeitschrift... mehr
 

Neue Fortbildungsreihe: VHS will Ehrenamt stärken

KREIS CUXHAVEN. Ob in Vereinen, Initiativen, in der Kirche oder Hilfs- und Rettungsdiensten - es gibt viele Möglichkeiten als Freiwilliger einem Ehrenamt nachzugehen. Um das freiwillige Engagement zu unterstützen, bietet die... mehr
 

metronom: Weiter Verbessern und dann durchstarten

KREIS CUXHAVEN. Nach den ersten 100 Tagen am Steuer einder der größten Privatbahnen Deutschlands formuliert die neue Geschäftsführung der metronom Eisenbahngesellschaft ehrgeizige Ziele. Langfristiges Wachstum und ein neues... mehr
 
Brandschutzabschnittsleiter Thomas Friedhoff appelliert an die Arbeitgeber, Feuerwehrleute in Betrieben eine Chance zu geben.
Ihre Stimme wird übermittelt
Diesen Artikel mit drei Klicks bewerten

Sie können entweder einem Wort drei Stimmen geben oder Ihre drei Stimmen auf verschiedene Wörter verteilen.

  1. Artikel bewerten
  2. Ergebnis ansehen



Leserkommentare

Christopher von Borstel,28. Oktober 2010, 21:27 Uhr

Bericht Thomas Friedhof NEZ

Schreiben Sie einen Kommentar




CAPTCHA Bild zum Spamschutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*

* obligatorisches Feld