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10. September 2010

Altägyptische Mumien im Natureum

BALJE. Das Natureum Niederelbe setzt seine Vortragsreihe zur derzeit laufenden Ausstellung "Versunken in der Elbe - Schätze vom Nil" fort. Am Sonntag, 19. September, um 15 Uhr, referiert Dr. Renate Germer über die altägyptischen Mumien, die im März 1822 beim Untergang des Frachtseglers "Gottfried" in der Nähe des Natureums in Balje an Land gespült wurden.

Aus berufenem Munde gibt es Antworten auf die spannenden Fragen nach Herkunft und ursprünglicher Ausstattung der Funde. Im Auftrag des preußischen Königs bereiste General Minutoli 1820 bis 1822 Ägypten und erwarb durch Vermittlung des dortigen französischen Generalkonsuls Drovetti auch mehrere Mumien mit ihren Särgen. Acht befanden sich auf der "Gottfried", als sie nach einem schweren Sturm in der Elbmündung sank. Sieben Mumien trieben an Land und wurden später bei einer Auktion in Hamburg verkauft. Danach verlor sich ihre Spur.

Minutoli selbst gibt in seinem Reisebericht nur wenige Hinweise zu den Mumien. Wie die Mumien und ihre Särge ausgesehen haben, lässt sich aber rekonstruieren. Fünf der gleichen Herkunft gelangten sicher auf dem Landweg nach Berlin. Weitere Mumien mit gleichem Fundort wurden durch Antikenhändler gleichzeitig an andere Museen verkauft.

Ägyptologen versuchen heute mit modernen Methoden, Licht ins Dunkel zu bringen. "Durch neuere Forschungen wird deutlich, in welchen Grabanlagen in Ägypten die Mumien mit ihren Särgen einst gefunden wurden, wie ihre Grabausstattung ausgesehen hat und aus welcher Zeit sie stammen", erklärt Renate Germer.

Im Einzelnen handelt es sich nach Angaben von Germer um die Gräber bedeutender Priester von Theben (um 600 vor Christi) und des Archonten Soter von Theben, ein hoher Beamter, aus römischer Zeit (um 100 vor Christi). Die Ägyptologin ist davon überzeugt, dass auch der von Minutoli erworbene "goldene Mumienkopf" aus der Pyramide des Djoser in Sakkara in die römische Zeit zu datieren sei und nicht, wie vom General angenommen, 2000 Jahre älter.

Dr. Renate Germer (64), ist Diplom-Biologin und habilitierte Ägyptologin an der Universität Hamburg. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Pflanzen im alten Ägypten, vor allem die Heilpflanzen, und die Untersuchung der altägyptischen Mumien, die sich in deutschen Museen befinden.

Die Ägypten-Ausstellung im Natureum Niederelbe zeigt noch bis Ende Oktober dieses Jahres Originale und Repliken altägyptischer Kunstschätze. Im Mittelpunkt der Sonderschau stehen spektakuläre Exponate und aktuelle Forschungsergebnisse zum Untergang der "Gottfried", die mit ihrer wertvollen Fracht auf dem Weg von Triest nach Hamburg war.

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